Manche belastet, wenn sie sich mit einer Freundin oder einem Freund verkracht haben. Sie wünschen sich zum Jahreswechsel, das wiedergutzumachen. Eine Psychologin erklärt, wie die Versöhnung klappen kann.

Es ist nicht so leicht, Krach in der Familie oder einen heftigen Streit mit einer Freundin beizulegen und sich zu versöhnen – denn meist haben wir auch ordentlich ausgeteilt und die andere Person verletzt. Zu erkennen, dass wir selbst auch einen Fehler gemacht haben, ist der erste Schritt in Richtung Versöhnung, sagt die Psychologin Denise Ginzburg-Marku.

"Das Wichtige ist, auf sich selbst zu schauen: Was habe ich dazu beigetragen? Welche Verantwortung trage ich für den Konflikt?"
Denise Ginzburg-Marku, Psychologin

Würden wir erst einmal aufrechnen, was die andere Person uns angetan hat, kämen wir keinen Schritt weiter. Deshalb ist es wichtig, dass wir die Verantwortung für unser Handeln übernehmen. Für die andere Person ist das ein wichtiges Signal, wenn wir sagen: Ich trage die Verantwortung für das, was ich damals gesagt oder gemacht habe und das tut mir heute leid.

Nicht über die Fehler des anderen sprechen

Unsere Entschuldigung kommt glaubhaft bei der anderen Person an, wenn wir auch erklären, dass wir selbst Zeit gebraucht haben, um den Konflikt zu verstehen und zu begreifen, wie unfair wir gehandelt haben, meint Denise Ginzburg-Marku.

Sie warnt davor, beim ersten Schritt auf das Fehlverhalten der anderen Person zu sprechen zu kommen, weil wir dann wieder in die "Aufrechnenschiene" geraten. Das würde eine Versöhnung häufig unmöglich machen, sagt die Psychologin.

"Wenn wir wirklich bereit sind, wenn wir echt ohne Erwartungen und ohne Druck zu machen, einfach nur dastehen und sagen: Ich bin so, du fehlst mir. Ich habe echt auch Mist gebaut."
Denise Ginzburg-Marku, Psychologin

Wir müssten bereit sein, zu unseren eigenen Fehler zu stehen, uns dafür zu entschuldigen, ohne gleichzeitig von der anderen Person zu erwarten, dass sie dasselbe tut. Denn dann bestehe die Chance, dass die andere Person sich wieder auf uns zu bewegt und wir uns tatsächlich mit ihr versöhnen können.

Denise Ginzburg-Marku nimmt auch die Perspektive der anderen Person ein: Möchte ich mich versöhnen? Bin ich bereit zu verzeihen?

Für uns bleibt bei diesem Schritt eine Unsicherheit, weil wir uns öffnen und so ganz verletzlich werden, ohne zu wissen, ob die andere Person den gleichen Schritt macht. Wenn nicht, kann das wehtun.

Wie wir verzeihen können

Vielleicht sind wir aber auch die Person, die um Verzeihung gebeten wird. Wenn es uns aber schwerfällt zu verzeihen, rät der Coach Martin Weiss, dass wir erst versuchen, den Konflikt und die andere Person zu verstehen. Danach sollten wir den Konflikt loslassen. So könnten wir wieder die Verantwortung über die Situation zurückerlangen. Es schließe sich die Frage an, ob wir die andere Person noch in unserem Leben haben möchten und deshalb bereit sind, ihr zu verzeihen.

Gerade für Paare ist es wichtig, verzeihen zu lernen, erklärt die Paarberaterin Anna Holfeld. Die Partnerin oder den Partner um Verzeihung zu bitten, zeige auch eine andere Haltung, als einfach nur "Entschuldigung" zu sagen.