Anderen Menschen aufrichtig zu verzeihen ist alles andere als leicht, besonders wenn wir tief verletzt wurden. Wie es trotzdem gelingen kann.

Unsere Freundin war nicht für uns da, als wir sie am dringendsten gebraucht hätten, unser Partner hat uns hintergangen oder wir selbst haben eine folgenschwere, falsche Entscheidung getroffen. Das alles kann uns ganz schön verletzen und belasten. Nach solchen Erlebnissen wollen wir am liebsten den Kopf in den Sand stecken und die Erinnerungen daran in die hinterste Ecke unseres Gedächtnisses packen. Warum Verzeihen besser für unseren inneren Frieden ist und wie uns das gelingt, das erklärt der Coach Martin Weiss.


Verzeihen ist ein egoistischer Akt, denn es geht darum, dass wir uns selbst etwas Gutes tun, erklärt der Coach. Wen wir anderen Menschen verzeihen, dann finden wir innere Ruhe und Frieden und stärken uns selbst. Wenn wir das nicht tun, dann kann uns das im schlimmsten Fall zu einer verbitterten Person machen.

Wie wir es schaffen zu verzeihen

1. Verstehen

Zunächst einmal sollten wir die Situation, in der wir verletzt wurden, noch einmal in unserem Kopf durchgehen. Dabei sei es wichtig, nicht unsere Position, sondern die unseres Gegenübers einzunehmen und uns in ihn oder sie hineinzuversetzen. Nur so könnten wir in diesem ersten Schritt verstehen, warum der andere Mensch möglichweise so verletzend gehandelt hat. Das gelingt uns am besten, indem wir das Gefühl des Ereignisses achtsam wahrnehmen, erklärt Martin Weiss.

"Wir dürfen nicht wieder in die negativen Gefühle reingehen, sondern sollten besser achtsam sein."
Martin Weiss zum Verstehen

Denn in dem Moment, in dem wir anfangen würden, über das Gefühl nachzudenken, es aber gleichzeitig wahrnehmen, würden wir eine Distanz dazu entwickeln. Dieser Abstand ermöglicht es uns, mit diesen Emotionen besser umgehen zu können, sagt er.

2. Verzeihen

Beim Verzeihen an sich gehe es nicht so sehr darum, dem anderen etwas Gutes zu tun, sondern sich selbst. Denn da uns etwas widerfahren sei, eine andere Person uns etwas angetan habe, kommen wir in eine Opferhaltung – wir geben etwas von unserer Kraft ab. Uns geht es schlecht, wir können die Verletzungen nicht vergessen.

"Verzeihen ist der Akt, das alles wieder loszulassen," sagt Martin Weiss. So würden wir wieder selbst die Verantwortung übernehmen, unsere Kraft zurückbekommen und den anderen Menschen nicht länger als Täter sehen. Nicht-Verzeihen sieht der Experte als einen Versuch, die Stärke wieder zu bekommen. "Aber das ist eine Pseudo-Stärke, weil man seine Kraft schon vorher an den anderen abgegeben hat."

3. Versöhnen

"Versöhnen ist ein Akt, der dann noch einmal separat erfolgen kann, mit der Frage: 'Bin ich bereit dazu, den anderen noch in meinem Leben zu haben?'," erklärt Martin Weiss. Eine Versöhnung sei nicht immer möglich, etwa wenn wir Gewalt erfahren haben oder eine Verletzung zum wiederholten Mal stattgefunden habe. Wenn unser Gegenüber aber Reue zeigt und wir wieder Vertrauen zu ihm aufbauen können, dann würde eine Versöhnung eine Chance haben – zusätzlich zur Verzeihung.

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