Freundschaften sind wichtig für unser Leben. Mit dem besten Freund oder der besten Freundin gehen wir durch dick und dünn. Ein Umzug kann alles verändern. Unser Autor hat Tipps gesammelt, wie wir Freundschaften trotzdem pflegen und erhalten können.

In vielen Freundschaften kommt irgendwann der Augenblick, in dem wir uns trennen müssen – zumindest geografisch. Zum Beispiel, wenn wir wegen eines neuen Jobs, des Studiums, der Liebe oder Ausbildung umziehen. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Jan Dahlmann überlegt, welche Auswirkungen es auf unsere Freundschaften hat, wenn wir nicht in derselben Stadt wohnen.

Mit den technischen Möglichkeiten, die uns Whatsapp, Skype und Co. bieten, sollte es doch eigentlich möglich sein, zumindest in Kontakt zu bleiben. Rebecca erzählt im Deutschlandfunk-Nova-ab-21-Podcast, dass ihr Telefon und Messenger wichtig sind, um den Draht zu ihren Freundinnen Juli und Kathi nicht zu verlieren.

"Weil wir ja doch viel beschäftigt sind, schaffen wir es durch die Distanz zwischen Ulm und München nicht, dass wir uns oft sehen. Das ist auch gar nicht notwendig."
Rebecca

Rebecca, Kathi und Juli gelingt es trotz der Entfernung, die Freundschaft lebendig zu halten. Deswegen sagt Rebecca: "Wir schaffen es super, in Kontakt zu bleiben. Jedes Mal, wenn wir uns persönlich treffen, ist es, wie wenn wir uns erst gestern gesehen hätten." Die Distanz mache der Freundschaft nichts aus, davon ist Rebecca überzeugt.

Ulm und München liegen allerdings nicht so weit auseinander wie zum Beispiel Shanghai und Köln oder Düsseldorf und Sidney. Die Soziologin Julia Hahmann von der Uni Vechta meint aber, dass auch Freundschaften über große Distanzen Potenzial haben – selbst, wenn wir den Freund oder die Freundin selten oder gar nicht treffen.

"Was glaube ich wichtig ist, ist an der anderen Person dranzubleiben und zu signalisieren: 'Okay ich mache hier gerade was total Aufregendes, aber ich denke an dich.'"
Julia Hahmann, Soziologin an der Uni Vechta

Freundschaften zeichnet ein wechselseitiges Interesse aneinander aus

Die Kommunikation sollte sich nicht ausschließlich aufs Verbale beschränken. Rebecca schickt ihren Freundinnen in Bayern deswegen regelmäßig Kleinigkeiten per Post, beispielsweise ein Survival-Paket vor einer Prüfung oder gelegentlich eine Postkarte. Wenn eine Beziehung endet verschickt Rebecca auch mal einen selbstgebackenen Kuchen an ihre Freundinnen.

Soziologin Julia Hahmann erklärt, wie wichtig es ist, in Fernfreundschaften darauf zu achten, dass der oder die andere nicht eifersüchtig ist. Wenn eine Person dauernd davon erzählt, dass sie mit neuen Freund*innen unterwegs ist, dann kann das schwierig für beide sein. Wir sollten deshalb nicht nur davon erzählen, wie gut es uns gerade geht. "Was Freundschaften auszeichnet, ist, dass es so ein wechselseitiges Interesse aneinander gibt. Wir sollten eine Person in ihrer diversen Identität wahrnehmen", sagt die Soziologin.

"Wir sollten uns gegenseitig ernst nehmen und lieb haben. Das geht, egal ob das Leben aufregend ist oder nicht."
Julia Hahmann, Soziologin an der Uni Vechta

Apps können helfen, neue Freunde zu finden

Anstatt zu erzählen, wie sonnig es gerade im Ausland ist, könnten wir zum Beispiel auch einfach mal fragen, wie es beim Volleyballtraining oder Querflötenunterricht war. Laut einer Studie aus dem Royal Society Open Science Journal
heißt es, dass wir mit 25 den absoluten Peak in unseren Kontakten haben. Ab dann werden unsere Kontakte immer weniger. Mit 30 hat man im Schnitt noch etwa 15 bis 20 Leute mit denen man regelmäßig oder unregelmäßig Kontakt hat.

Wenn sich Freund*innen aber nach und nach aus dem Leben verabschieden und wir nicht per Messenger den Kontakt pflegen wollen, gibt es inzwischen gute Möglichkeiten, neue Leute außerhalb des Jobs kennenzulernen. Julia Hahmann empfiehlt dafür Apps, die neben Dating auch die Suche nach Freundschaften anbieten. "Gerade für Personen, die eben nicht mehr in so Strukturen eingebunden sind, wo wir klassischerweise unsere Freundschaften kennenlernen, sind Apps zu empfehlen", erläutert die Soziologin.

Julia Hahmann erklärt: Typische Situationen, in denen wir neue Freundschaften knüpfen, sind beispielsweise Ausbildungsstellen oder auch der Job. Aber für Personen, die zum Beispiel häufiger umziehen im Leben seien solche Apps total hilfreich.

  • Autor:  Jan Dahlmann, Deutschlandfunk Nova