Für mehr Klimaschutz und mehr soziale Gerechtigkeit gehen Aktivist*innen am globalen Aktionstag auf die Straßen. Das Motto: "People not Profit". Dass die Fridays-for-Future-Bewegung die Aspekte verbindet, ist aber nicht neu.

Unter dem Slogan "People not Profit" veranstalten Fridays-for-Future-Gruppen am Freitag (23.09.2022) weltweite Streiks. Die Protestierenden fordern, "dass die Politik nicht mehr länger Konzerninteressen über Menschenleben stellt". Die Bewegung will das Thema soziale Gerechtigkeit neben dem Kernthema Klimaschutz stärker in den Vordergrund rücken. Der Protestforscher Simon Teune von der Freien Universität (FU) Berlin sagt, der Aspekt der sozialen Gerechtigkeit bei Fridays for Future (FFF) sei nicht neu.

"Es ist keine neue Idee, soziale Gerechtigkeit mit Klimapolitik zu verbinden. Vielleicht hatten die FFF zu Beginn einen engen Blick auf die Klimapolitik und die politischen Maßnahmen."
Simon Teune, Protestforscher Freie Universität Berlin

Ungerechtigkeit der Klimakrise

Es habe einen schnellen Lernprozess bei den FFF gegeben. Die Aktivist*innen hätten erkannt, dass Klimagerechtigkeit nicht unabhängig von anderen Machtstrukturen wie Rassismus oder soziale Ungleichheit gedacht werden kann. Vor allem dann nicht, wenn sie von der breite Masse getragen werden soll. Deswegen habe FFF auch schon mit Gewerkschaften zusammengearbeitet, um auch die Beschäftigten zu erreichen.

Mit dem Krieg in der Ukraine sei nun noch einmal die Abhängigkeit von fossilen Energien sehr deutlich geworden – und das wiederum hängt eng damit zusammen, dass nun die Preise explodieren.

Keine Konkurrenz zwischen unterschiedlichen Protesten

Der Wissenschaftler erklärt, dass sich unterschiedliche Protestformen wie etwa "Die letzte Generation", "Extinction Rebellion" und FFF ergänzen. "Klimastreiks funktionieren eher nach der Logik der Masse. Die wollen zeigen, dass viele unterschiedliche Leute hinter dem Thema stehen", sagt Teune. Hingegen hätten Blockaden – wie von Extinction Rebellion – den Sinn, zu nerven. Es solle ausgedrückt werden, dass die aktuellen Probleme in Folge des Klimawandels eher der Normalzustand sind, der sich immer weiter fortsetzen.

Simon Teune weist darauf hin, dass Überschneidungen zwischen den Gruppierungen gibt, zum Beispiel, dass Teilnehmende die Organisation wechseln von FFF zu "Die letzte Generation". Konkurrenz zwischen den Gruppen sieht er daher nicht.

"Diejenigen, die jetzt am meisten unter der Krise leiden, sind die, die am wenigsten dazu beigetragen haben."
Simon Teune, Protestforscher Freie Universität Berlin

Auch wenn Deutschland aktuell in einer sozialen Energie-Versorgungskrise stecke, bleibe die Klimakrise nach wie vor bestehen und können auch nicht unabhängig davon betrachtet werden, so Simon Teune: "Sie ist darin begründet, dass wir uns über viele Jahre an fossile Energien gekettet haben."

Eine Perspektive könne nur der Abschied davon sein. Dies sei ein Argument, das die FFF versuchen zu kommunizieren. Kurzfristig brauche es nun Maßnahmen, um Menschen, die am stärksten von den Preissteigerungen betroffen sind, zu entlasten. Denn diejenigen, die nun am meisten unter der aktuellen Situation leiden, seien nicht unbedingt verantwortlich für die Krise.