Soziale Ungleichheit, Entwicklungshilfe, vor allem aber das Klima - das sind die Themen der 21-jährigen Carla Reemtsma. Die Politik- und Wirtschaftsstudentin hat unter anderem die Fridays-for-Future-Bewegung in Münster ins Rollen gebracht und hätte zu Anfang nie gedacht, dass das alles einmal so groß werden würde.

Carla Reemtsma hat schnell gelernt, das Mikro in die Hand zu nehmen und vor vielen Menschen zu sprechen. Das mache ihr nichts aus, sagt sie. Sie sei schnell da hereingewachsen.

Statt 100 kamen 1000 zur Demo

Die Mitorganisatorin der Fridays-for-Future-Bewegung in Münster hatte ein Schlüsselerlebnis: Zur zweiten Demo, die sie in Münster organisiert hatten, kamen statt der erwarteten 100 Demonstranten zehn Mal so viele - nämlich 1000. Da sagt sie, musste jemand etwas machen, auf die Bühne gehen und reden - es waren einfach zu viele.

"Dass die Fridays-for-Future-Demo so groß wird, hatte vorher niemand gedacht."
Carla Reemtsma über die Freidays-for-Future-Demos, die sie in Münster mitorganisiert

Die 21-jährige Studentin hatte vorher schon Erfahrungen mit Klima-Aktivismus gesammelt, aber die Initialzündung zu den Protesten in Deutschland gab ihr das Video von Greta Thunberg vor der UN-Klimakonferenz in Kattowitz, das im Dezember 2018 viral ging. Da sei sie schnell auf die Idee gekommen, das auch in Deutschland groß aufzuziehen.

Greta Thunberg und Whatsapp mobilisieren Schüler und Studenten

Die Figur "Greta Thunberg" auf der einen Seite und die vielen Schüler- und Studi-Chatgruppen bei Whatsapp auf der anderen Seite haben aus ihrer Sicht dazu beigetragen, dass sich so schnell so viele junge Menschen mobilisiert haben.

Die Mitorganisatorin der Fridays-for-Future-Bewegung ist gleichzeitig auch Jugendbotschafterin der Entwicklungsorganisation One. Da macht sie Lobbypolitik, auch wenn das Wort Lobbyismus böse klinge. Carla Reemtsma erzählt, dass sie in ihrer Freizeit Abgeordnete, entwicklungspolitische Sprecher oder auch Menschen aus dem Finanzausschuss trifft, um mit ihnen über Entwicklungshilfe-Themen oder Ungleichheit zu sprechen. Aber auch über das Klima. Beispielsweise erinnere sie die Politiker gerne daran, dass sie ihre Zusagen einhalten müssen.

"Deutschland hat sich verpflichtet, 0,7 Prozent seines Brutto-Nationaleinkommens in die Entwicklungsarbeit zu investieren, Macht es aber nicht. Also gehen wir zu den Leuten und machen da Druck."
Carla Reemtsma, Jugendbotschafterin der Entwicklungsorganisation One

Noch vor einer Woche hat Carla Reemtsma eine Klausur an der Uni Münster geschrieben. Dort studiert sie Politik und Wirtschaftswissenschaften - dafür hat sie auch noch Zeit. Auch, wenn sie sich in der privilegierten Situation sieht, auch mal ein oder zwei Semester mehr studieren zu können.

Wo es sie beruflich hintreibt, weiß sie noch nicht. Das komme darauf an, auf welcher Seite man sich sehe, sagt sie. Einblick in den politischen Betrieb hat sie schon bekommen. Daran nervt sie, dass vieles so langsam und kleinschrittig geht. Möglicherweise will sie später auf der Seite stehen, die klare Ziele vehement vertritt, sagt sie.