Bei Sonnenschein sind die Parks überfüllt und die Stadtmenschen spazieren über die Friedhöfe. Grundsätzlich sind sie dort willkommen, es sei denn, sie übertreiben es mit dem Sport, denken nur an sich und vergessen die Toten und die Trauernden.

Friedhöfe sind bei gutem Wetter im Moment belebter als sonst – gerade in Großstädten sind sie als Alternative zu den häufig überfüllten Parks recht beliebt. Friedhofsämter verzeichnen einen Anstieg der Besucherzahlen.

Auf Friedhöfen wird nun einerseits ruhig geschlendert, aber auch gejoggt, Fußball gespielt oder gepicknickt. Wer die Gräber von Angehörigen besucht, wird dort rasch zur Minderheit.

Tod trifft Freizeit

Manche Freizeitaktivität geht den Friedhofsämtern deutlich zu weit, häufig wird damit auch die jeweilige Friedhofsordnung verletzt. Grundsätzlich aber sind Besucherinnen und Besucher, die keine Trauernden sind, gerne gesehene Gäste.

"Die Friedhofbetreiber wollen, dass auch Menschen kommen, die gar nicht die klassischen Trauernden sind. Um sich auch mal so mit dem Leben und dem Tod zu beschäftigen."
Christian Schmitt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Tillmann Wagner ist Geschäftsführer des Evangelischen Friedhofsverbands in Berlin. Auch für ihn passen Totengedenken und Freizeitgestaltung grundsätzlich zusammenpassen, die Bedürfnisse der Trauernden dürften allerdings nicht zu kurz kommen.

"Ich kann nicht auf der einen Seite sagen, es soll eine ruhige Oase für Trauernde sein. Und auf der anderen Seite aber lasse ich Fußballspielen und Picknicken. Das muss eine Mischung sein, die sich verträgt."
Tillmann Wagner, Evangelischer Friedhofsverband Berlin, Geschäftsführer

Auf einer Reihe von Friedhöfen ist Sporttreiben verboten. Dazu gehören wirklich alle sportlichen Aktivitäten. Auf manchen Münchner Friedhöfen: beispielsweise Fußballspielen, Joggen und Yoga.

Geschlossene Friedhöfe

In Berlin sind 46 evangelische Friedhöfe für drei Tage geschlossen worden, weil die Regeln nicht beachtet wurden. Das hat geholfen.

"Wir haben an verschiedenen Standorten Cafés eingerichtet, weil Friedhöfe doch eben ein Ort der Kommunikation sind und auch ein Ort des Lebens. Das eine muss sich eben mit dem anderen vertragen."
Tillmann Wagner, Evangelischer Friedhofsverband Berlin, Geschäftsführer

Der Evangelische Friedhofsverband in Berlin organisiert inzwischen auf manchen Friedhöfen Cafés. Unser Reporter Christian Schmitt vermutet: "Vielleicht bringt uns dieser Corona-Ausweich-Zwang auf den Friedhof dazu, uns mit dem Tabuthema Tod auseinanderzusetzen, auch wenn wir nicht trauern."