Benedikt Höwedes ist Kapitän von Schalke 04, Fußballnationalspieler und Weltmeister. Er hat uns im DRadio-Wissen-Studio besucht und mit Moderator Ralph Günther über Demut, Heimat und schwindelerregende Ablösesummen gesprochen.

Benedikt Höwedes ist "unheimlich heimatverbunden", wie er uns im Interview erzählt hat. Am Wochenende - wenn nicht gerade Spieltag ist - besucht er häufig Freunde und Familie in Haltern am See, da kommt er nämlich her. In Sachen Fußball freut sich Benedikt Höwedes gerade, dass er nach 3,5 Monaten endlich wieder spielen kann. Eine Knieverletzung hatte ihn außer Gefecht gesetzt. Allmählich nimmt er wieder an Trainingseinheiten teil - und hat davon manchmal ordentlich Muskelkater.

"Das ist für einen Fußballer unheimlich schön, wenn das Gefühl so langsam wiederkommt und das Kribbeln in den Füßen steckt."
Benedikt Höwedes über seine Rückkehr auf den Platz
Benedikt Höwedes im DRadio Wissen Studio
© Nicole Meyer | DRadio Wissen
Benedikt Höwedes (links) und DRadio-Wissen-Moderator Ralph Günther (rechts) sprechen im Studio über den Alltag des Fußballers und sein Engagement.

Der Alltag

An Spieltagen gibt es bei Benedikt Höwedes einen klaren Tagesablauf. Ausschlafen und Brötchen holen, ist da nicht drin. "Bis 9 Uhr gibt es Frühstück, dann vielleicht ne lockere Einheit, ein Spaziergang und irgendwann geht es dann in die Spielvorbereitung." Wenn er am Wochenende frei hat, fährt Benedikt Höwedes nach Hause. In Haltern am See trifft er Freunde und seine Familie. Was er daran besonders schätzt: Manche Freunde haben gar keine Ahnung von Fußball und mit denen spricht er gerne über andere Themen.

"Ich komme am Wochenende gerne zurück nach Haltern am See, weil wir einen sehr großen Freundeskreis in Haltern haben, die zwar auch unterschiedlich studieren. Man trifft sich, man macht was. Da kann ich aktiv gut abschalten."
Benedikt Höwedes über Wochenenden zuhause

Das Engagement

Dazu gehört auch die aktuelle Flüchtlingssituation. Sein Verein Schalke 04 will mit dem Video #stehtauf, wenn ihr Menschen seid, ein Zeichen gegen Fremdenhass setzen:

Auf seinem Facebookprofilfoto ist Benedikt Höwedes zurzeit mit einem Schild zu sehen, auf dem steht "Artikel 14 Jeder hat das Recht auf Asyl" - damit beteiligt er sich an der Aktion Recht auf Menschenrecht. Das Foto wurde mehr als 570 mal geteilt und rund 380 Kommentare. Benedikt Höwedes wollte damit ein Zeichen setzen. "Wenn man in Foren rechtspopulistische Stimmen hört, darf man das nicht tolerieren."

Auf die Erfahrung kommt es an

Benedikt Höwedes ist 27 Jahre alt. Voll jung sagen die einen. Im Fußball gelten andere Regeln. Da gehört Benedikt Höwedes zu Führungsspielern und darf darum auch von "früher" sprechen. Bei manch einem sehr jungen Spieler hat er das Gefühl, dass der Biss fehlt. Heute bekommen schon 17-, 18 oder 19-jährige Spieler, die Chance bei den Profis mitzuspielen. Das ist Vor- und Nachteil zugleich: "Viele junge Spieler wissen gar nicht wertzuschätzen, was sie da gerade haben und mussten sich nicht alles richtig erkämpfen. Viele aus meiner Generation mussten sich erstmal richtig durchboxen, bis sie dann irgendwann mal die Chance bekommen haben, sich tatsächlich zu beweisen."

"Zu meiner Zeit war es so, dass ich mit 19 erstmal keine Rolle gespielt habe und dass ich mich hinten anstellen musste. Auch wenn ich mich qualitativ gleich gesehen habe, mit anderen Spielern. Aber ich habe keine Rolle gespielt, weil ich keine Erfahrung hatte."
Benedikt Höwedes über Durststrecken

Fußball und Geld

Von den aktuellen Summen, die zurzeit auf dem Transfermarkt gezahlt werden, hält Benedikt Höwedes nicht viel. So hohe Ablösesummen, wie die von De Bruyne, der für schätzungsweise 80 Millionen Euro von Wolfsburg nach Manchester City gewechselt hat, hält Benedikt Höwedes für "überzogen". "Es ist unheimlich schade, dass viele Spieler dem Ruf aus England folgen. Verständlicherweise natürlich auch, wenn total überzogene Gehälter gezahlt werden", sagt er.

"Aber ich glaube, dass es irgendwann ein Umdenken geben wird. Irgendwann wird jeder englische Verein 30, 40 überbezahlte Leute im Kader haben. Aber letzten Endes können nur elf spielen."
Benedikt Höwedes über englische Vereine, die hohe Gehälter an ihre Profis zahlen

Die Weltmeisterschaft

Ein Ereignis über das Benedikt Höwedes in fast jedem Interview reden muss, ist die WM 2014. Im Nationalteam hat er alle Spiele der WM 2014 als linker Außenverteidiger komplett mitgespielt. Der WM-Titel ist für ihn, "das absolut größte, was man als Fußballer holen kann. Das ist phänomenal und bleibt ewig haften." Die WM und den Zusammenhalt im Team hat er in guter Erinnerung. Darum hat er sich auch das Finale oder die Vorrundenspiele noch nicht angeschaut. "Ich habe noch unheimliche viele Erinnerungen, die auch präsent sind und die aktuell viel schöner sind, als die wahren Spiele."

"Wir haben natürlich den Film "Die Mannschaft" gesehen und da war ich erschrocken, wie viele Chancen tatsächlich Argentinien hatte. Das habe ich zum Beispiel in meinen Erinnerungen nicht so."
Benedikt Höwedes über das WM-Finale Deutschland - Argentinien

Der Steckbrief

Hobbys

  • Tennis spielen
  • Longboarden am Rhein
  • Schwedenschach spielen
  • Serien gucken (Game of Thrones und House of Cards)
  • mit seinem Hund Gassi gehen
"Wir haben jetzt einen Hund, einen Eurasier. Das macht natürlich unheimlich viel Spaß, wenn man nach Hause kommt und der Hund steht schwanzwedelnd in der Tür und freut sich einen Ast ab."
Benedikt Höwedes über seinen Hund

Musik

Das geht

  • Elektro, Rock, R'n'B und HipHop
  • Beatsteaks, Royal Blood, Paul Kalkbrenner, Max Herre - spielen wir übrigens alle in der DRadio Wissen Playlist

Das geht gar nicht

  • Schlager
"Ich habe viel Rock gehört, als ich groß geworden bin. Und ich habe im Laufe der Jahre ein großes Interesse für Freundeskreis damals entwickelt. Das war Teil meiner Jugendzeit."
Benedikt Höwedes über Musik

Zukunft

  • nach einer schlechten Saison hat er sich nochmal bewusst für seinen Verein Schalke 04 entschieden
  • trotzdem ist da der Wunsch sich irgendwann mal zu verändern
  • wann und wohin bleibt offen
"Ich bin schon daran interessiert, mal in andere Vereine reinzuschauen und möchte andere Kulturen kennenlernen und eine andere Sprache lernen."
Benedikt Höwedes über seine Zukunft