Deutschland hat viele Funklöcher. Sobald wir die großen Städte verlassen, wird es schnell dünn mit schnellem Internet, oder wir haben überhaupt keinen Empfang mehr. Dann steht da dieses "E" auf dem Display: Edge. Manchmal gibt es auch gar keine Internetverbindung mehr. Was bisher eher eine subjektive Erfahrung war, lässt sich seit Kurzem mit Zahlen belegen. Zwei Bundesländer haben ihre Funklöcher gezählt – Deutschlandfunk-Nova-Reporter Timo Nicolas hat sich die Ergebnisse angesehen. 

In Niedersachsen und Brandenburg waren – beziehungsweise sind – die Bewohner aufgefordert, Funklöcher zu melden. In Niedersachsen wurden die Verbindungslücken von Ende April bis Anfang Juni gemeldet, und dabei sind knapp 9.000 Funklöcher gezählt worden. In Brandenburg werden die Daten bereits seit einem Jahr gesammelt, da sind bisher 23.000 Funklöcher ermittelt worden.

Besonders auf dem Land verbreitet

Vor allem auf dem Land sind Funklöcher verbreitet. Dort, wo wenig Menschen wohnen und auch entlang von Straßen und Bahnstrecken. Dort lässt sich manchmal noch nicht einmal telefonieren, weil keine Netzverbindung da ist.

Ein Grund für die Funklöcher: 2015 hat der Bund bestimmte Lizenzen für Mobilfunkfrequenzen an die großen Netzanbieter Telekom, Vodafone und Telefonica versteigert. Mit diesen Lizenzen können die Anbieter ihr LTE-Netz (Long Term Evolution-Netz) betreiben, also das aktuell schnellstmögliche mobile Netz. 

Mit dem Kauf der Lizenzen sind sie aber auch eine Verpflichtung eingegangen. Sie haben sich bereit erklärt, bis Ende nächsten Jahres 98 Prozent der Haushalte mit LTE abzudecken. So weit sind die Netzanbieter noch nicht, aber die Telekom liegt laut dem letzten Bericht der Bundesnetzagentur beispielsweise schon bei 94 Prozent. 

Lücke im Deal

Bei der Vereinbarung wurde die Versorgung der einzelnen Haushalte berücksichtigt. 94 Prozent der Haushalte wirkt auf den ersten Blick wie eine gute Netzversorgung. Aber das sind bei Weitem nicht 94 Prozent des Landes. Die Anbieter sind nicht verpflichtet, Autobahnen, Zugtrassen, Wälder oder kleine Dörfer, in denen es nur wenige Haushalte gibt, mit LTE auszustatten.

Doch damit lassen sich nicht alle Funklöcher erklären. Unser Reporter Timo Nicolas hat sich die Netzabdeckung der Telekom rund um Berlin angeschaut. Sein Fazit: Eigentlich sieht es da ganz gut aus, trotzdem wurden viele Funklöcher für das Gebiet gemeldet. Laut der Telekom soll es in diesen Bereichen aber Netz geben. 

Diese widersprüchlichen Meldungen überraschen Thomas Plückebaum vom Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste aber nicht. Er sagt, dass das an den vielen Hindernissen liegt, die den Funkwellen im Weg stehen.

"Im Prinzip ist Funkausstrahlung immer behindert durch Hügel, Bäume, Gebäude. Das hängt zum Beispiel vom Material ab, dass das Gebäude hat. In dieser Funkabdeckung werden auch immer Funklöcher sein."
Thomas Plückebaum, Wissenschaftliches Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste

2019 wird es wieder eine Versteigerung für Lizenzen für das 5G-Netz geben. Das 5G-Netz macht schnellere Internetverbindungen als das bisherige LTE-Netz möglich. Eine Möglichkeit wäre natürlich, dass der Bund strengere Bedingungen an die Vergabe von neuen Frequenzen knüpft. Beispielsweise, dass flächendeckend neue Funkmasten gebaut werden müssen. Das wäre dann aber teuer für die Netzanbieter. 

Mehr Funkmasten zu bauen, rechnet sich nicht überall für die Anbieter

"Dann käme man in die Situation, dass die Kosten höher werden und die Anbieter weniger Geld übrig haben, um für die Lizenzen zu bieten", sagt Thomas Plückebaum, vom Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste. Je mehr Masten die Anbieter bauen müssen, desto weniger Geld werden sie für die Lizenzen zahlen wollen, weil sich das Konzept auch wirtschaftlich rechnen muss. Das hätte die Konsequenz, dass der Staat dann wiederum weniger Geld einnehmen würde. Deswegen hat die Regierung ein Interesse daran, die Auflagen für die Mobilfunknetz-Anbieter nicht zu streng zu gestalten. 

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