Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) macht Nachhaltigkeit ab 2022 zur Bedingung. Möchten Fußballvereine Teil der Bundesliga sein, müssen sie die Vorgaben der DFL umsetzen. Wie die konkret aussehen, ist aber noch offen.

Während die Fans den Anpfiff der Fußballspiele der Bundesligisten kaum erwarten können, hatte das Klima bisher wenig Grund zur Freude: Alleine die Fans verursachen an einem regulären Spieltag in der Bundesliga, bei dem durchschnittlich 400.000 von ihnen in die Stadien der Erstligisten kommen, etwa 120 Tonnen CO2.

Das ist umgerechnet so viel, wie zehn Menschen in Deutschland im Durchschnitt in einem ganzen Jahr verursachen.

Das ist das Ergebnis einer Kurzzeitstudie der Klimaschutzberatung "CO2OL" in Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk aus dem Jahr 2019. Sie hat die CO2-Emmissionen aus der Sicht eines Fans berechnet, der von zu Hause zum Stadion fährt, dort etwas isst und trinkt und im Anschluss wieder heimfährt.

Der Weg zum Stadion als Klimakiller

Bei den Fans schlägt besonders die Fahrt ins Stadion und der Weg nach Hause ins Gewicht. Die meisten von ihnen kommen mit dem Auto dorthin. Zwei Drittel der Emissionen entstehen so bei ihnen, der Rest fällt in den Bereich Konsum, also durch das Bier oder die Bratwurst in Einwegverpackungen.

Keine Spiellizenz ohne Nachhaltigkeitsstrategie

Aber auch bei den Fußballklubs gibt es in Sachen ökologischer Fußabdruck scheinbar Nachholbedarf. Zumindest hat die Deutsche Fußball-Liga (DFL) angekündigt, nachhaltiger werden zu wollen. Vielmehr macht sie Nachhaltigkeit in Zukunft zur Bedingung für alle Klubs, die in der ersten und zweiten Liga spielen möchten.

Nachhaltigkeit soll dann ein Teil der Lizenzierung der Klubs werden. Das bedeutet: Die DFL prüft jedes Jahr, ob die Klubs bestimmte Auflagen erfüllen, erklärt Maximilian Rieger aus der Deutschlandfunk-Sportredaktion.

"Ich glaube, ohne die Drohung von Sanktionen passiert zu wenig. Über die Lizenzierung hat die DFL ein gutes Mittel gefunden, um alle Vereine zu etwas zu zwingen."
Maximilian Rieger, Deutschlandfunk-Sportredaktion

Viele offene Fragen

Wie die Bewertungskriterien der DFL hinsichtlich der Nachhaltigkeitspläne aussehen, ist offen. Bisher ist klar, dass es in einem ersten Schritt gewisse Mindestvoraussetzungen geben soll, die alle Klubs erfüllen müssen.

Das könnte etwa heißen, dass die Vereine erst mal ihren CO2-Ausstoß überhaupt nachvollziehen beziehungsweise festhalten. Für einige war das bislang noch gar kein Thema.

Zusätzlich möchte die DFL Klubs belohnen, die besonders auf Nachhaltigkeit achten, indem sie zum Beispiel einen Teil der Werbeeinnahmen bekommen.

Weniger Fliegen, mehr Ökostrom

Welche Maßnahmen die Klubs in diesem Kontext dann konkret einführen sollen, ist nicht genau definiert. Denkbar wäre etwa, das Fliegen der Vereine einzudämmen. Aktuell fliegen manche Vereine auch sehr kurze Strecken, etwa von München nach Stuttgart.

Ein weiterer Punkt wäre, den Energieverbrauch in den Stadien zu senken und auf LED-Licht oder Solar-Panels zu setzen. Auf der anderen Seite können die Klubs auch Anreize für ihre Fans setzen, indem sie beispielsweise E-Lade-Säulen an den Stadien bereitstellen.

"Die Nationalmannschaft ist mal von Stuttgart nach Basel geflogen. Vor ein paar Woche ist auch der FC Bayern für ein Vorbereitungsspiel von München in die Nähe von Stuttgart geflogen."
Maximilian Rieger, Deutschlandfunk-Sportredaktion

Am Ende kommt es darauf an, wie strikt die Kriterien der DFL tatsächlich sind. Maximilian Rieger hält es aber für sinnvoll, die Kriterien für mehr Nachhaltigkeit in die Lizenzierung der Klubs aufzunehmen. In der Vergangenheit habe die DFL eher auf Anreize gesetzt.

Ab 2022 möchte die DFL die Vereine zum ersten Mal auf ihre Nachhaltigkeit hin prüfen.