Fußball-EM in Frankreich – und alle so Yeah! Nur du nicht? Wir hatten auf Facebook gefragt, wem es genauso geht. Unter anderem hat sich Veli gemeldet. Früher war er gerne im Stadion, heute fühlt er sich unter Flaggenschwingern mit überbordenden Nationalstolz ziemlich unwohl.

Fähnchen auf der Wange, Flagge an der Häuserwand, fast alle sind im EM-Fieber. Aus dem Fußball-Taumel aber halten sich nicht nur Leute raus, die mit Fußball nichts anfangen können: Korruption, Kommerz, Nationalismus lässt die Begeisterung auch bei jenen sinken, die den Sport eigentlich super finden. Ein Abtörner für Veli: "Es geht nur noch um das Drumherum." Das Ganze sei zu einem Event verkommen, sagt er. Schwerer wiegt aber etwas anders: "Mich stört vor allem der überbordende Nationalismus."

Fiese Beleidigungen

"Vielleicht liegt es daran, dass ich einen Migrationshintergrund habe und daher etwas sensibler darauf reagiere. Aber für mich war es der Nationalismus, der mich gestört hat", erklärt Veli seine gemischten Gefühle. Vor allem bei internationalen Turnieren. Bei dem WM 2006, erinnert er sich, war er mit argentinischen Freunden unterwegs, teils in anderen Trikos. Von einzelnen kamen da fiese Beleidigungen.

"Ich kann den Wunsch verstehen, diesen Patriotismus auszuleben. Nur wird es in diesem Punkt leider sehr, sehr oft von rechten Gruppierungen vereinnahmt."
Veli, ging früher gerne ins Stadion

Alltagsrassismus kennt er auch aus dem Stadion, Veli war als großer BVB-Fan früher oft dort: "Ich weiß, das sind einzelne. Ich kann da drüber stehen", relativiert er. Es trübt aber seine Begeisterung für die Sache soweit, "dass ich eher ungern ins Stadion gehe", sagt er. Wenn sich dann noch Hooligans und Rechtsextreme unter die echten Fans mischen, wird es für ihn mit der Fußballliebe schwierig.

"Ich verurteile nicht den Fußball an sich. Ich weiß, der Grundgedanke ist gut. Für mich verliert der Fußball aber da einfach seinen Glanz."
Veli, DRadio-Wissen-Hörer

Etwas geht für Veli bei den Turnieren nicht zusammen: Sich als Nation zu messen, laufe am Ende doch immer darauf hinaus, den Stärkeren zu ermitteln. "Wenn man gegen Grenzen ist, dann passt das nicht zusammen", sagt er. Seine Lösung, um Fußball nicht ganz sein zu lassen: Zuhause und wirklich nur mit Freunden zu gucken. "Dann geht das schon."