Geht es darum, einen Studienplatz an der Lieblingsuni zu bekommen oder bei der Partnersuche erfolgreich zu sein, müssen wir die Regel des jeweiligen Marktes kennen, erklärt Wirtschaftswissenschaftlerin Dorothea Kübler in ihrem Vortrag. Dazu brauche es auch eine strategische Vorgehensweise.

Für den Warenhandel gibt es klare Regeln: Bieten Händler ihre Güter an, können wir diese mithilfe von Geld kaufen. Für andere Märkte wie dem Online-Dating-Markt oder dem Arbeitsmarkt funktioniert dieses Prinzip nicht: Andere als die sogenannten Gütermärkte benötigen immer eine Art Clearingstelle, die Regeln aufstellt und überwacht und auch strikte Entscheidungen gegen den Willen Einzelner trifft. Wer diese Regeln auf solchen Märkten nicht durchschaut, ist im Nachteil, sagt Wirtschaftswissenschaftlerin Dorothea Kübler.

Wer Marktregeln nicht kennt, verliert

In ihrem Vortrag macht sie diese Dynamik am Beispiel der alljährlichen Bewerbungsrunden an den deutschen Hochschulen deutlich. Bei der Auswahl ihrer Lieblingsuni, so Dorothea Kübler, machen viele der künftigen Studierenden oft entscheidende Fehler – vor allem bei Bewerbungen für medizinische und verwandte Fächer.

"Die geben lange Listen ab und landen auf ihren Plätzen fünf oder sechs. Kommen nicht an ihre Lieblingsuni, obwohl sie zu den Besten eines Jahrgangs gehören."
Dorothea Kübler, Wirtschaftswissenschaftlerin

Ähnlich sieht es aus, wenn Eltern ihre Kinder zur weiterführenden Schule oder für die Kita anmelden, erklärt sie. In diesen Bereichen werde es noch unübersichtlicher, weil die verschiedenen Bundesländer und Kommunen unterschiedliche Verfahren für die Auswahl aufgestellt haben.

Strategisches Verhalten bei der Bewerbung

Als Expertin rät die Volkswirtschaftlerin, für bestimmte Märkte zu einem strategischen Verhalten, um die Chancen zu erhöhen. Dafür brauche es wiederum ein Know-how über die Regeln und ihre Folgen, wenn Länder, Städte und gegebenenfalls auch die Stiftung für Hochschulzulassung letztlich über den Einzelfall entscheiden.

Den Entscheidungen zugrunde liegen Erkenntnisse aus der Mathematik, wie der 1962 von Gayle und Shapley entwickelte Algorithmus für den Heiratsmarkt. Diese und andere Mechanismen bringen Licht in das Dunkel der Funktionsweise von Märkten, auf denen man nichts mit Geld kaufen kann.

Dorothea Kübler ist Direktorin der Abteilung "Verhalten auf Märkten" am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Als Volkswirtschaftlerin hat sie unter anderem erforscht, dass viele Bewerberinnen und Bewerber bei der Studienplatzvergabe in den vergangenen Jahren nicht ihre Wunsch-Uni zugeteilt bekommen haben, weil sie das "Marktgeschehen" dort nicht wirklich durchblicken.

Veranstalter der Reihe "exkurs - Einblick in die Welt der Wissenschaft", bei der Dorothea Kübler am 20. November 2018 gesprochen hat, ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG).