Warum reißt das Teil? Nach dem #Trikotgate haben sich alle den Kopf zerbrochen, warum die High-End-Trikots der Schweizer Nationalmannschaft den Geist aufgaben. Andere sagen gleich: Einmal tragen reicht.

Beim Spiel gegen Frankreich rissen die Trikots der Schweizer Mannschaft reihenweise. Sieben Stück mussten dran glauben, dem heftigen Ziehen des Gegners konnten sie nicht standhalten. Am Material dürfte das eigentlich nicht liegen: Die Trikots sind nicht nur leicht und elastisch, sondern auch noch mit ein paar Superfähigkeiten ausgestattet: Tapes an der Innenseite sollen die Muskeln massieren und leistungsfähiger machen. "Phase-­change material" nennt Puma den Stoff, der für die optimale Körpertemperatur sorgen soll. Auch andere Ausstatter wie Adidas oder Nike setzen auf solche High-End-Technologien.

Einmaliger Auftritt fürs Trikot

Ein Trend in der Trikot-Materialschlacht sei bisweilen der Einsatz von Recycling-Materialien, sagt die Designerin Sina Trnkwalder. Bei der WM 2010 war Nike beispielsweise einer der ersten Sponsoren, die ihre Mannschaften mit Trikots ausstatteten, die Polyester aus recyceltem PET-Flaschen enthielten. Hervorragende Idee, ganz ausgereift sei diese Technologie jedoch nicht, sagt Sina Trinkwalder, die ökologische Kleidung herstellt. Sind die Fasern nämlich zu kurz oder zu zerschreddert, bringen sie nicht mehr die nötige Stabilität mit. Puma hat uns mittlerweile mitgeteilt, dass in den Trikots der Schweizer Mannschaft kein Polyester aus recycleten PET-Flaschen enthalten sei. Stattdessen bestehe das Jerseymaterial aus einer Mischung aus Elastane und Polyester, teilte das Unternehmen mit.

Materialfehler ist schuld

Allen Mutmaßungen machte Puma schließlich heute ein Ende. Schuld sei ein Materialfehler einer Produktionscharge, erklärte das Unternehmen in einer Stellungsnahme. Irgendwo im Produktionsprozess des Garns sei etwas schief gelaufen. Von diesem Materialfehler seien aber nur die Heimtrikots des Schweizer Teams betroffen.

Andere wollen die Trikots gar nicht unbedingt mehrmals tragen. Die deutsche Mannschaft hat beispielsweise für jedes Spiel ein extra Trikot: Auf der Brust unter dem DFB-Logo ist hier die jeweilige Partie auf dem Shirt verewigt. Das ist damit fast ein Unikat - mindestens ein Ersatzshirt zum Wechseln haben die deutschen Spieler in der Kabine. Mit ihrem individuellen Matchsouvenir dürfen sie sich dann am Ende des Spiels in den Tauschrausch begeben.

​"Die Trikots werden im Prinzip nach dem Spiel weggeschmissen. Oder aber die Spieler haben die Freigabe, die Trikots nach dem Spiel zu tauschen."
Matthias Friebe, Sport-Korrespondent bei der EM in Frankreich

Den Drang, muffelige Trikots wegzuwerfen, kennt wohl jeder, der einmal für die Hobby-Mannschaft den Waschdienst erledigen musste. Wegwerfmentalität ist aber im Bundesliga-Alltag eher nicht drin: Hier gibt es zwar pro Saison was Neues, das wird aber gut erhalten. Darauf schwört zumindest seit 27 Jahren Aleks, der als Zeugwart für einen Zweitligisten arbeitet: "Wir haben eine supergute Qualität und noch keine Probleme mit Puma gehabt", sagt er. Und die Qualitätskontrolle übernimmt er persönlich. Bei jedem Waschen.