Die TSG Hoffenheim will ein eigenes nachhaltiges Modelabel gründen, das sich als Lifestylemarke etablieren soll. Darüber hinaus tut sich in der Fußball-Bundesliga zwar einiges in Sachen Nachhaltigkeit - insgesamt aber noch zu wenig.

"Umoja" soll das neue Modelabel heißen, das Fußball-Bundesligist TSG Hoffenheim auf den Markt bringen will. Produziert werden aber nicht Trikots und Fanartikel, sondern Lifestyle-Mode. Hergestellt werden soll die Kleidung in Uganda mit ausschließlich lokaler Baumwolle, die nach dem Standard "Cotton made in Africa" zertifiziert ist. Davon profitieren sollen vor allem die Menschen vor Ort, die diese Klamotten produzieren. Mit einem Teil des Geldes sollen laut TSG Hoffenheim außerdem "konkrete Initiativen in den Themen Bildung und nachhaltige Entwicklung" umgesetzt werden, heißt es in der Pressemitteilung.

Weit weniger nachhaltig als das angedachte neue Modelabel aus Hoffenheim, sind die die Trikots der Spieler. Die werden von Firmen wie Adidas, Nike, Puma oder Umbro hergestellt. Dabei ist teilweise nicht genau nachvollziehbar, wo die Trikots produziert werden. Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 hatte die Berliner Morgenpost dazu recherchiert, dass das Trikot der Deutschen Nationalmannschaft inklusive Transport in der Produktion nicht einmal neun Euro kostet. Davon erhält die Person, die das Trikot genäht hat, 30 Cent. Verkauft wird es im Laden für 90 Euro, also das Zehnfache des Produktionspreises. Ähnlich dürfte das auch bei den Trikots sein, die Spieler in der Fußball-Bundesliga tragen, vermutet unsere Reporterin Anke van de Weyer.

Wenig Vorgaben von oben

Wie es allgemein in der Bundesliga um die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz steht, ist schwer zu sagen. Beim Dachverband selbst, dem Deutschen Fußball-Bund, hat das Thema eine eher untergeordnete Bedeutung. Der letzte Bundesliga-Umweltreport wurde 2012 veröffentlicht, das ist inzwischen sieben Jahre her. "Aber viele Vereine haben selbst mittlerweile eigene Abteilungen, die sich um die Corporate Social Responsibility kümmern", sagt unsere Reporterin - also die soziale Verantwortung des Vereins als Unternehmen. Da gehe es allerdings nicht explizit um Klimaschutz, sondern allgemein um soziales Engagement.

"Da passiert schon was. Immer mehr Vereine verzichten zum Beispiel auf Einwegplastik bei den Bechern."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Bei den Vereinen ist aber eine Entwicklung spürbar: So verzichten immer mehr Bundesligisten auf Einwegplastik bei den Bechern. Die Deutsche Umwelthilfe rechnet für die laufende Saison trotzdem damit, dass etwa sieben Millionen Einweg-Becher an Plastikmüll anfallen werden. Ein weiterer Klassiker in Sachen Umweltschutz ist Ökostrom. Beim FSV Mainz 05 zum Beispiel läuft seit inzwischen zehn Jahren die "Mission Klimaverteidiger": Dort wird im Stadion klimaneutrales Wasser ausgeschenkt und CO2-Emissionen werden kompensiert.

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Vereine wie Werder Bremen, RB Leipzig oder Freiburg unterstützen die "Fridays for Future"-Bewegung, indem sie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freistellen, um zu den Demonstrationen zu gehen. Sie unterstützen außerdem die Initiative "Sports for Future", die auch den Sport mit in die Verantwortung nimmt, was den Klimaschutz angeht.

Verkehrswende ist Verantwortung der Politik

Ein ganz großer Posten beim Thema Umweltschutz und Bundesliga sind im Übrigen die Fans selbst, die zu den Spielen reisen und damit sehr viel CO2 produzieren, sagt Stefan Wagner im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Er ist Mitbegründer der Initiative "Sports for Future" und bei der TSG Hoffenheim zuständig für die Unternehmensentwicklung. Er sieht da allerdings nicht Fans und Vereine in der Pflicht, sondern vor allem die Politik. Die müsse sich intensiver für eine Verkehrswende einsetzen, damit es Fans auch möglich wird, klimafreundlich zu den Spielen zu reisen.

"Wir müssen Lösungsangebote finden, die vielleicht Anreize schaffen, um sich CO2-freundlicher oder CO2-neutral zu den Fußballspielen zu bewegen."
Stefan Wagner, Mitbegründer der Initiative "Sports for future"

An einem Bundesligaspieltag verursachen die Fans so viel CO2, dass man jedes Wochenende 60.000 Bäume pflanzen müsste, um das wieder zu kompensieren, sagt unsere Reporterin. Umgerechnet auf 34 Spieltage wären das über zwei Millionen Bäume für eine Saison. Die Fahrten zu internationalen Spielen sind dabei noch nicht mit eingerechnet.