Seit ungefähr zehn Jahren sind keine Dopingfälle mehr im Fußball bekannt geworden. Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten, scheint Doping im Fußball eh selten vorzukommen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, sagt Sportjournalist Thomas Kistner.

Diego Maradona hat gedopt, Franz Beckenbauer hat in den 70ern auch keinen Hehl daraus gemacht, dass im Fußball "Vitaminspritzen" im Einsatz waren. Seltsam nur, dass heute trotz immer vollerer Spielpläne keine Dopingfälle mehr bekannt werden. Genau genommen seit etwa zehn Jahren, sagt Sportjournalist Thomas Kistner.

Damals hatte der große Dopingskandal um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes seinen Höhepunkt erreicht. Neben vielen bekannten Radsportlern offenbarte Fuentes damals auch, bei den spanischen Fußballclubs in Barcelona und Madrid tätig gewesen zu sein. Später hat er diese Aussage widerrufen. Seitdem herrscht Stille.

"Da sind die Akten dann ganz schnell verschwunden, da wurden ganz schnell Prozesse hochgezogen, er selbst ist von seinen Aussagen zurückgetreten. Seitdem herrscht Schweigen im Walde."
Thomas Kistner, Sportjournalist

Bis heute versucht die Welt-Antidopingagentur Wada an die Unterlagen zu kommen. Vergeblich. Bis dahin ähnelten sich die Dopingfälle. Egal ob Radsport, Leichtathletik oder Fußball - vor allem Blutdoping stand auf der Liste des spanischen Arztes. Und Thomas Kistner glaubt nicht, dass sich das heute geändert hat.

"Das ist mein Anliegen in diesem Buch, das Sittenbild dieser Fußballgesellschaft zu zeichnen."

Natürlich gibt es auch im Fußball regelmäßig Dopingkontrollen. Oft genug müssen Journalisten auf Interviews warten, weil die Spieler mit den Urinproben nicht zurande kommen. Aber eben diese Kontrollen seien nahezu wirkungslos. Keiner der großen Dopingfälle sei je durch einen Dopingtest aufgeflogen. Es waren immer staatliche Ermittlungen oder anonyme Hinweise, die zur Aufklärung geführt haben.

"Das Kernproblem ist, das Dopingtests nahezu an der Wirkungslosigkeit sind. Die sind mittlerweile vor allem dazu da, um das Publikum zu beruhigen."
Thomas Kistner glaubt nicht an die Wirksamkeit von Kontrollen

Mehr zum Thema Doping im Fußball: