Die deutsche Nationaltorhüterin Almuth Schult spielt aktuell in den USA für den Angel City FC, einen Klub, der mehr als guten Fußball zeigen will. Die 31-Jährige trägt das gerne mit.

Almuth Schult steht für eine erfolgreiche Karriere als Profi-Fußballerin. Bis zu ihrem Wechsel in die USA stand sie viele Jahre für den VfL Wolfsburg im Tor.

Sie war Deutscher Meister, gewann den DFB-Pokal, war Europameister, gewann 2016 Olympia und wurde 2014 zur Welttorhüterin gewählt. Aber anders als Männer im Profi-Fußball ist sie mit all diesen Erfolg (bislang) nicht total reich geworden. "Als Mann hätte ich bei der Karriere ausgesorgt", sagt Almuth Schult.

Gehälter im Frauenfußball

Denn weiterhin fallen die Gehälter im Frauen- und Männerfußball sehr unterschiedlich aus. Die "Topspielerinnen", die bei einem der großen Clubs – nämlich Bayern oder Wolfsburg unter Vertrag sind – und in der Nationalmannschaft spielen, können mit bis zu 10.000 Euro brutto im Monat rechnen.

Aber: "Es sind eigentlich nur die Vereine, die in der Champions League spielen, die tatsächlich Profis haben", sagt Almuth Schult. In der Bundesliga gibt es weiterhin viele semi-professionelle Vereine. Für diese Spielerinnen gilt, dass die Lohnspanne groß ist: Das geht von einer Aufwandsentschädigung über Mindestlohn bis hin zu einer Festanstellung bei einem der semi-professionellen Verein mit einem monatlichen Bruttogehalt von 2000 bis 2500 Euro.

"Ich bin total glücklich darüber, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte."
Almuth Schult, Fußballtorhüterin

Almuth Schult wünscht sich, dass in den nächsten Jahren alle Fußballspielerinnen in der ersten Bundesliga auch professionell spielen können. Damit sie sich, wenn sie Fußball spielen, keine Gedanken machen müssen, woher das Geld zum Beispiel für die Miete kommt. "Das würde den Sport auf die nächst höhere Stufe heben", sagt die Torhüterin. Wenn alle professionell arbeiten könnten, steigere das automatisch die Leistung. Der deutsche Fußball sei da auf einem guten Weg.

Der Wechsel von Wolfsburg nach Los Angeles

Almuth Schult geht derweil neue Wege im Ausland. Sie wechselte in den US-Frauenfußball und spielt in Los Angeles für den Angel City FC. Die Zuschauerzahlen in den USA seien ein Traum, wenn man aus Deutschland kommt, so die Torhüterin.

Almuth Schult mit ihrem neuen Team in den USA, dem Angel City FC (2.10.2022)
© IMAGO I USA TODAY Network
So sieht das neue Team von Almuth Schult aus: die Spielerinnen vom Angel City FC im Oktober 2022.

Zuvor hatte sie den US-Fußball verfolgt und an einem Punkt für sich entschieden, dass sie mal einen anderen Blickwinkel einnehmen will. Mit dem Angel City FC hat sie eine besondere Perspektive gefunden, denn der Verein will mehr als "nur" guten Fußball spielen. Es geht auch darum, die Fußballkultur zu verändern.

Der Angel City FC wurde von Promis gegründet

Der Verein wurde 2020 von Tennis-Profi Serena Williams, den Schauspielerinnen Jennifer Garner und Natalie Portman sowie anderen gegründet. Sie hatten sich gewundert, warum es in Los Angeles eigentlich keinen Frauenfußball gibt, so Almuth Schult. "Sie erwarben einfach eine Lizenz und bauten einen Verein auf." In den USA ist das möglich.

"Der Sport wird in den USA anders gesehen, es wird auch auf andere Dinge Wert gelegt. Und ich wollte mal einen anderen Blickwinkel erfahren."
Almuth Schult, Fußballtorhüterin

Dabei geht es beim Angel City auch um Gleichberechtigung im Sport und im Fußball. Ebenso um die Frage, was Fußball gesellschaftlich verändern kann. Deshalb gibt es zum Beispiel die Regel, dass zehn Prozent der Sponsoren-Einnahmen des Klubs in soziale Projekte in der Region fließen. In der vergangenen Saison lagen die Einnahmen bei 35 Millionen US-Dollar, sodass 3,5 Millionen US-Dollar gespendet wurden. "Das ist ein Statement", sagt Almuth Schult.

"Die Frage war: Was können wir mit dem Fußball als Botschafter für alle tun."
Almuth Schult, Fußballtorhüterin

Auch die Art Fußball zu spielen unterscheide sich zwischen Europa und den USA. "Der deutsche Fußball ist sehr taktisch geprägt", sagt Almuth Schult. "Insgesamt ist der europäische Fußball sehr technisch." In den USA gehe es stärker um Schnelligkeit und Athletik. Der Fußball sei "zielstrebiger". Das heißt, es wird auch mal aus 40 Metern auf das Tor geschossen, wenn freie Bahn ist.

Neben diesen Aspekten ist es für Almuth Schult auch interessant, die Strukturen des US-Fußballs kennenzulernen, die sich von den deutschen unterscheiden. "Die Liga reguliert alles", sagt die Torhüterin.

Ebenso gibt es das sogenannte Draft-System, das dafür sorgt, dass die Mannschaften gleich stark sind. Das sorgt für mehr Spannung. Aber für die Sportlerinnen bedeutet es auch, dass sie mitten in der Saison den Verein wechseln müssen. Für internationale Spielerinnen wie Almuth Schult gelten hier Einschränkungen.

  • Dein Sonntag
  • Moderator:  Sebastian Sonntag
  • Gesprächspartnerin:  Almuth Schult, Fußballtorhüterin