Was rund um den G20-Gipfel in Hamburg passiert ist, ist noch lange nicht aufgearbeitet: Wer sind die Leute, die Autos angezündet, Barrikaden aufgebaut und Supermärkte geplündert haben? Martin Kaul von der Taz über die Randalierer von Hamburg.  

Martin Kaul ist Reporter bei der Taz. Er war das ganze Wochenende in Hamburg und hat über Periscope live über die Ausschreitungen im Schanzenviertel berichtet. Er wurde selbst Opfer einer Attacke, als er ein paar junge Männer filmte, die versuchten, einen Bankautomaten aufzubrechen. 

"Einer hat mich beim Filmen gesehen und gab mir einen auf die Mütze: Brille weg, Uhr kaputt, ein paar Blessuren, aber ich bin wieder betriebsbereit."
Martin Kaul, Taz-Reporter

Martin Kaul ist davon überzeugt, dass im Kern der schweren Krawalle organisierte militante Gruppen aus verschiedenen europäischen Ländern standen, die lange vorher dazu im Internet mobilisiert und aufgerufen hatten. Das seien solche, die wirklich wussten, wie man eine Stadt auseinander nimmt.

Mehr friedliche Demonstranten als Randalierer unterwegs

Drumherum hat Kaul viele Autonome und Linksradikale aus Deutschland beobachtet. Dazu kamen randalierende Jugendliche, und auch einige Hooligans seien dabei gewesen. 

"Dann waren auch viele Empörte dabei, die Frust und Wut geschoben haben auf die Polizei, auf Staat und Kapital aufgrund dessen, was in den Tagen davor passiert war."
Martin Kaul, Taz-Reporter

In der Gesamtschau war die Randale nur ein kleiner Teil dessen, was in Hamburg passiert sei, betont Martin Kaul. Es gab vielseitige Proteste mit Kunstperformances oder Greenpeace-Aktionen. Doch die seien komplett überschattet worden – von schätzungsweise 1000 gewaltbereiten schweren Jungs. Es seien nur wenige Frauen dabei gewesen, so Kaul. 

"Diese ganz kleine Gruppe der Randalierer hat es geschafft, dass jetzt alle nur über die größtmöglichen Gegensätze und Katastrophen reden."
Martin Kaul, Taz-Reporter

Die Rote Flora, das Autonomen-Zentrum im Hamburger Schanzenviertel, hat sich vom Ausmaß der Militanz und Gewalt distanziert. Aber im Kern seien die Randalierer eben schon linksradikale Gruppen, die einen gezielten Antagonismus herstellen und zeigen wollten, sagt Martin Kaul. 

"Die wollten mal Revolution spielen. Da sollte man jetzt nicht so tun, als hätte das nix mit bekloppten linksdogmatischen Ideen zu tun."
Martin Kaul, Taz-Reporter

Martin Kaul findet die Diskussion absurd, die Rote Flora zu verbieten. Das Zentrum genieße eine hohe Anziehungskraft und vernetze sehr viele Leute. Die Diskussion jetzt darauf zu lenken, sei ein billiges Mittel der Politik. 

"Das war ein politisches Desaster was in Hamburg passiert ist. Darüber sollten jetzt die Politiker diskutieren, die diesen Einsatz total verkackt haben. Und Olaf Scholz hat das zu verantworten."
Martin Kaul, taz Reporter