Unser Autor mag eigentlich keine Demonstrationen. Großdemos schon gar nicht. Trotzdem war er beim G7-Gipfel dabei. Warum? Weil es wichtig ist. Eine schöne Erfahrung war das nicht.

Seid ihr auch gegen Ausbeutung, Umweltzerstörung und Ausländerfeindlichkeit? Na klar. Und wart ihr zufällig beim G7-Gipfel in Elmau bei Garmisch-Partenkirchen demonstrieren? Wahrscheinlich nicht - denn zu den Protestkundgebungen sind im Juni nur wenige tausend Menschen gekommen. Dafür gab es aber mindestens drei Mal mehr Polizisten beim Gipfel: Rund 20.000 haben das Tagungsgelände so gesichert, dass kein Demonstrant zu nahe kommt.

Sicherheit vor Meinungsfreiheit

Gerade dann ist es doch notwenig, sein Gesicht zu zeigen, dachte sich unser Autor Nail Al Saidi. Er packt Klamotten, Fotokamera, und Aufnahmegerät in seinen Rucksack. Und dann noch Dinge, die er bislang nie zum Arbeiten gebraucht hat: etwa eine Taucherbrille. Gegen Tränengas.

"Ich mag keine Demonstrationen. Irgendwie sind die mir unheimlich. Wenn da Menschen mit Fahnen marschieren und laut Sprüche grölen. Und wenn dann noch viele Polizisten mitlaufen, dann setzt bei mir normalerweise der Fluchtinstinkt ein."
Nail Al Saidi
Polizeiaufmarsch in Wohngebiet
© DRadio Wissen | Nail Al Saidi

Schon als Nail in Garmisch ankommt, wimmelt es auf den Bahnsteigen von Polizisten. Kurz hinter dem Bahnhof werden die ersten Demonstranten festgehalten: Personenkontrolle. Und am nächsten Morgen hat sich die Straße vor Nails Gästehaus in einen Polizeiparkplatz verwandelt. Kilometerweit reiht sich ein grün-weißer Mannschaftwagen an den nächsten. Nail geht trotzdem los.