So lustig! Dieses Video von der Frau, die vom Balkon in den Pool springen will und daneben springt. Oder der Angeber auf dem Motorrad, der sich voll hinlegt. Für die Leute in den Videos ist das alles weniger lustig. Trotzdem macht es uns sehr viel Spaß, solche Filmchen zu sehen. Warum eigentlich?

Fail-Videos bringen Klicks im Netz. Mehr als zehn Millionen Youtube-User haben zum Beispiel den Kanal der Fail Army abonniert, wo alle paar Tage neue Pannen-, Sturz- und Unfall-Videos gepostet werden. Nach dem Motto: Schadenfreude ist die schönste Freude. Geht ja auch so einfach: anklicken und lachen über Leute, die wir nie treffen werden.

"Ich kann gucken, ohne mich schämen zu müssen. Das enthemmt die Menschen. Weil man nicht in die Pflicht geraten könnte, jemandem zu helfen."
Matthias Burchard, Philosoph an der Uni Köln

Wir haben Spaß am Unglück anderer. Moralisch sind Fail-Videos also wirklich eher ein Fail. Andererseits: Möglicherweise können wir gar nicht anders als hinschauen. Jeder, der schon mal auf der Autobahn an einem Unfall vorbeigefahren ist, kennt das. Wir müssen wissen, was passiert ist.

Gaffen - ein menschlicher Impuls?

Matthias Burchard erklärt es so: Meistens schauen wir genauer hin oder zu. Denn: "Wenn ich nicht dorthin gucke, wo mich etwas zuvor verstört hat, dann bleibt das als offene Frage in mir irgendwie hängen, und ich möchte verstehen." So gesehen geht es also nicht ums pure Glotzen, sondern um ein besseres Verständnis von Situationen. Im Fall der Fail-Videos, findet Burchard, sollten wir allerdings kurz überlegen, ob es wirklich okay sei, zuzuschauen.

"Ich sollte mich auch fragen: Welches Bedürfnis befriedige ich da eigentlich in mir? Brauche ich das möglicherweise, um mich selbst über diese anderen erheben zu können? Und erzählt das vielleicht von ner Charakterschwäche von mir?"
Matthias Burchard, Philosoph an der Uni Köln