"Gibbon Beyond the Trees" und "Arise: A Simple Story" sind zwei Computerspiele, die ganz ohne Worte auskommen. Sie erzählen eine Geschichte nur durch Bilder und durch die Art, wie wir spielen – mit stummen Figuren, die uns dennoch schnell ans Herz wachsen. Außerdem spielt die Musik eine große Rolle und zieht uns ganz tief ins Spiel.

In "Gibbon Beyond the Trees"spielen wir die Figur Pink und hangeln wir uns wie ein echter Gibbon mit überlangen Armen von Ast zu Ast, katapultieren uns von einem Baum in den nächsten. Dabei werden wir von unserem Buddy Yellow – einem anderen gelben Gibbon – und vom kleinen Lilac begleitet. Und wir lernen quasi im Vorbeihangeln von der Lebensrealität der Gibbons.

"Beide Spiele kommen ganz ohne Worte aus - und trotzdem hab ich bei beiden am Ende ein Tränchen verdrückt."
Deutschlandfunk-Nova-Games-Expertin Jana Reinhardt

Gerade am Anfang ist das Spiel eine große Herausforderung, denn wenn wir nicht schnell genug oder hoch genug sind, dann stürzen wir ab.

Screenshot aus dem Game "Gibbon beyond the Trees".
© Gibbon beyond the Trees | Broken Rules
Screenshot aus dem Game "Gibbon beyond the Trees".
"Wir wollen immer möglichst in den höchsten Baumwipfeln klettern und das Spiel belohnt uns dafür mit Geschwindigkeit.“
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Games-Expertin

Der Regenwald, in dem die Geschichte spielt, liegt in Südostasien, vielleicht in Indonesien. Und so idyllisch wie am Anfang, bleibt er im Laufe des Spiels nicht. Irgendwann kommen wir mit unserer kleinen Affenfamilie in ein Gebiet, in dem Menschen wohnen. Und die verändern den Wald: Der Wald schwindet, stattdessen gibt es Palmölplantagen und große Städte.

"Wir wollten diese Geschichte erzählen und dieses Problem darstellen, dass Gibbons bedroht sind. Im Prinzip stört das natürlich den Flow."
Felix Bohatsch, Game-Designer

Plötzlich fehlen Bäume, der Flow des Spiels wird dadurch gestört. Und genau das wollten die Spieleentwickler auch erreichen, denn sie wollen mit dem Spiel auch zeigen, dass Gibbons bedroht sind. Janas Meinung zu dem Spiel: "Trotz all der ernsten Themen, die mitschwingen, ist 'Gibbon Beyond the Trees' vor allem eines: ein bildschönes Spiel mit dem ich richtig gut abschalten konnte, dem aber trotzdem die Tiefe nicht fehlt."

Arise: A Simple Story

Auch "Arise: A Simple Story" funktioniert komplett ohne Worte. Es ist ein Jump'n'Run-Game. Die Geschichte handelt von einem alten Mann, der direkt in der ersten Szene auf einem Scheiterhaufen verbrannt wird. Er ist also tot und wir begleiten ihn von der Kindheit bis zum Tod – wie er seine Frau kennenlernt, eine Familie gründet, wie die beiden fliehen müssen und wie er sich bei all diesen Höhen und Tiefen gefühlt hat.

"Im Spiel durchlaufen wir Erinnerungen mit ihm, wie in einer Art farbenfrohem Fiebertraum-Flashback seiner wichtigsten Momente."
Jana Reinhardt, Deutschlandfunk-Nova-Games-Expertin

Die Entwickler von "Piccolo Studio" kommen aus der Werbeindustrie und mit diesem Mindset machen sie auch Games: die Message auf den Punkt bringen und vor allem Gefühle im Spieler wecken. Der Werbeindustrie haben sie inzwischen den Rücken gekehrt, um Spiele zu machen. Grund dafür war eine Midlifecrisis, weil sie die Arbeit nicht mehr erfüllt hat.

Screenshot aus "Arise: A Simple Story"
© Arise: A Simple Story | Piccolo Studio
Screenshot aus "Arise: A Simple Story"

"Arise schrappt eindeutig oft hart am Kitsch vorbei, aber das Paket aus bewegender Musik, den Rätseln und der Atmosphäre ist so hervorragend manipulativ, dass ich doch in jedem Moment mit dem alten Mann mitfiebere und am Ende doch traurig bin, obwohl sein Tod von Anfang an feststand", sagt Jana Reinhardt.