Das Spiel "High on Life" kommt quietschbunt wie ein Comic daher. In diesem überdrehten Ego-Shooter geht es auch ums Abknallen – aber mal ganz anders. Das Game "Neon White" ist weniger lustig. Spaß machen hier die Speedruns.

In "High on Life" schlüpfen wir in die Rolle eines "ziemlichen Loosers", wie Deutschlandfunk-Nova-Games-Experte Thomas Ruscher es erklärt. Ein junger Slacker, der nichts auf die Kette kriegt, mit sich und der Welt aber ganz zufrieden ist. Plötzlich taucht ein außerirdisches Verbrechersyndikat auf der Erde auf. Gegen das gilt es also die Welt zu beschützen.

"Originell wird es, wenn unsere Spielfigur zum ersten Mal eine Waffe in die Hand bekommt."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Gameexperte

Die Waffe, die wir dafür einsetzen, heißt Kevin, hat Glupschaugen und ein ziemliches Plappermaul. Mit ihm erleben wir überdrehte Abenteuer, landen auf Comic-Planeten und versuchen irgendwie, die Menschheit zu retten.

Cartoon-Erfinder Roiland steckt hinter "High on Life"

Die Spielefirma "Squanch Games" hat "High on Life" entwickelt, die wiederum gehört Justin Roiland – und er ist einer der Erfinder der Cartoon-Serie "Rick and Morty". Wer diese Serie mag, wird auch Gefallen an "High on Life" finden, ist sich Thomas sicher.

"Ich finde die ganze Anmutung schön, weil sie eben so ganz anders ist als die angesagten Militär-Shooter. Ich schieße lieber auf alberne Quabbel-Aliens."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Games-Experte

Trotzdem findet Thomas problematisch, dass es eben ein Ego-Shooter ist – auch, wenn alles bunt eingepackt ist und lustig daherkommt. Im Grunde gehe es nur darum, Aliens wegzuballern, und das sei langweilig. "Also ohne den schrägen Humor von Justin Roiland wäre das Spiel überhaupt nichts", sagt Thomas.

Die zweite Kritik richtet sich an den Spieleentwickler Justin Roiland selbst, der wegen häuslicher Gewalt angeklagt ist. Der Vorwurf ist gerichtlich noch nicht geklärt. "Wenn ich jetzt ein Game spiele, das so sehr von Justin Roiland geprägt ist, und man dauernd seine Stimme hört, macht mir das das Spiel dann schon ziemlich madig", sagt Thomas.

Sportlicher Speedrun-Spaß mit "Neon White"

Ebenfalls eine etwas andere Art eines Ego-Shooters ist "Neon White", das laut Spieleentwickler Ben Esposito ausdrücklich ungewöhnlich sein soll. Wir schlüpfen in die Rolle des Dämonenjägers Neon White, sagt Thomas. Seine Aufgabe ist es, die Himmelsdämonen zu besiegen. Diese schwarzen Dämonen gilt es abzuknallen. "Klingt gruselig, sieht aber völlig harmlos aus", meint Thomas.

Am Anfang würde es ein bisschen länger dauern, bis wir uns ans Ziel geschossen haben. Wer gut ist, kann es später auch in 50 Sekunden schaffen, meint Thomas. Wer noch Abkürzungen oder andere Tricks findet, braucht nur noch 40 Sekunden für das Level. "Und Leute, die richtig gut sind, packen das eben noch viel schneller", sagt Thomas.

Einstieg in den E-Sport

Diese Schnelligkeit, immer wieder zu zocken und immer schneller zu werden, würde richtig Spaß machen. Unter Gamer:innen heißt diese Art zu spielen Speedrun. Trainieren, schneller und besser werden, wären auch typische Merkmale des E-Sports, erklärt Thomas.

"Neon White ist ein schöner E-Sport-Einstieg: Halbe Stunde reinspielen und dann kann schnell klar werden, warum auch Videospiele was mit Training, Konzentration, Reflexen und so weiter tun haben."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Gameexperte

Die Story hinter "Neon White" sei zweitrangig. "Während "High on Life" alleine von seinen Dialogen und seinem Humor lebt, kann "Neon White" komplett darauf verzichten. "Hier geht es nur um die Spielmechanik, die Speedruns durch die Level. Aber die machen dafür dann eben auch richtig Spaß", zieht Thomas sein Fazit.

  • Moderator:  Sebastian Sonntag
  • Gesprächspartner:  Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Gameexperte