In "Night in the Woods" kehrt Mae zurück an den Ort ihrer Kindheit, Possum Springs. Doch einfach da weitermachen, wo sie vor Jahren aufgehört hat, ist schwierig. Und dann wäre da noch die Geschichte mit dem abgetrennten Arm...

“Night in the Woods” ist eines von den Adventures, die kaum auf Rätsel setzen, dafür aber eine relativ freie Erkundung der Umgebung ermöglichen. Fast ein wenig wie bei einem Jump'n'Run kann ich hier von Hausdach zu Hausdach hüpfen.

"Ich" - das ist in diesem Fall die 20-Jährige Mae. Ihr Lebensmotto lautet: "Ist eh alles scheiße". Das College hat sie geschmissen, warum wissen wir nicht. Sie wohnt wieder bei Ihren Eltern und versucht Kontakt zu ihren alten Schulfreunden zu knüpfen, die alle in Possum Springs geblieben sind.

Eine animierte Katze läuft über einen Gartenzaun
"Visuell musst du dir 'Night in the Woods' wie ein wunderschön illustriertes Kinderbilderbuch vorstellen. Die Grafik ist in 2D, fast abstrakt, auf wesentliche Details reduziert, mit einer sehr genau gewählten Farbpalette. Irgendwie knuffig, aber auf keinen Fall kitschig-süß."
Jana Reinhardt, DRadio-Wissen-Game-Expertin

Der Stil des Spiels wirkt sehr leichtfüßig und hilft, die Charaktere schnell einzuordnen. "Night in the Woods" dreht sich um die Frage: Was zur Hölle geht da in dieser Mae vor? Warum kommt sie zurück in diese verpennte Kleinstadt, irgendwo im Nordosten der USA, wo der wirtschaftliche Aufschwung fehlt und eine Menge Häuser und Geschäfte leer stehen?

Dialoge wie in einem Comic

Jeder neue Tag startet im alten Kinderzimmer von Mae. Dort kann ich ihren Laptop checken und sehen, ob meine Freunde Gregg, Bae oder Angus geschrieben haben. Danach laufe ich durch Possum Springs, rede mit Nachbarn, laber Kids an, die dort rumhängen oder versuche in verlassene Häuser einzudringen. Im Mittelpunkt stehen die Dialoge mit den Bewohnern. Die schweben wie Comic-Sprechblasen über den Köpfen und sind sehr lustig und sarkastisch, findet unsere DRadio-Wissen-Game-Expertin Jana Reinhardt.

"Neben den witzigen Dialogen gibt es noch jede Menge Minigames: Zeug an Ständen klauen, Messerkämpfe, Glühbirnenzerdeppern, komisch tanzen oder in die Sternen gucken."
Jana Reinhardt, DRadio-Wissen-Game-Expertin

Mae wird zur Geisterjägerin

Eines Tages wird in Possum Springs ein abgetrennter Arm gefunden. Das Game wird nun zu einer Art Thriller und Mae zu einer Geisterjägerin. Praktischerweise ist ihre Tante Cop - und obwohl sie die immer nur spöttisch "Einkaufszentrums-Polizistin" nennt, füttert die sie mit weiteren Infos.

Eine Sache, die unsere Game-Expertin an diesem ansonsten sehr gelungenen Adventure-Game stört: "Das Erzähltempo, mit dem das Spiel Dinge angeht, ist bis zuletzt sehr langsam. Das Spiel rückt zum Beispiel auch ewig nicht damit raus, warum Mae jetzt ihr Studium abgebrochen hat." Aber vielleicht muss man das Ganze ja wirklich angehen wie ein gutes Kinderbuch: Gemächlich.