"The Stanley Parable" ist ein Klassiker unter den Computerspielen, erschienen 2013. Jetzt gibt es das Game in einer Neuauflage - und wieder geht es um die Kontrolle über Spielfigur Stanley und um einen mysteriösen Erzähler in einem überraschenden Spieleaufbau.

Stanley hat den langweiligsten Büro-Job, den man sich vorstellen kann: Er muss in Raum 427 sitzen und Knöpfe drücken. Das macht er jeden Tag, jede Woche seines Lebens. Aber das ist nicht schlimm, Stanley findet das toll, er freut sich, wenn ihm gesagt wird, welche Knöpfe er drücken muss, kurz: Er ist glücklich.

Doch eines Tages passiert etwas. Stanley sitzt in seinem Büro und merkt, dass er noch gar keinen Auftrag, noch gar keine Taste gedrückt hat. Überhaupt, das Büro ist leer. Und an dieser Stelle geht das Spiel los: Die SpielerInnen schlüpfen in die Ego-Ansicht von Stanley, stehen in dem kleinen Büro, können Knöpfe drücken und das Zimmer verlassen.

"Der Erzähler findet es gar nicht gut, wenn ich Stanley nicht das machen lasse, was er erzählt."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Gamesexperte

Stanley erkundet das Bürogebäude, ein Großraumbüro mit ein paar Türen. "Also ich stand da erstmal ein wenig ratlos herum, wusste nicht genau, was das alles soll", gesteht unser Games-Experte Thomas Ruscher.

Als Stanley in einen Raum mit zwei Türen kommt, nimmt er die rechte - obwohl der Erzähler die linke empfiehlt. "Und der Erzähler ist dann gleich so ein bisschen angefressen!"

Der Erzähler will die Kontrolle über Stanley

Der Erzähler will Stanley durch das Büro führen und seine Geschichte erzählen "und es ist eine Art Gerangel um die Macht: Wer hat die Kontrolle über Stanley?", sagt Thomas Ruscher.

"Also man kann sagen: Der Erzähler findet es uncool, dass ich kein Interesse an seiner Story zeige, die er sich doch für mich oder für Stanley ausgedacht hat."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Gamesexperte

Irgendwann bemerkt man: "Moment, meine Spielfigur Stanley hat den miesesten Job der Welt, Tasten drücken, wenn er den Befehl bekommt. Und ich sitze gerade am PC, drücke sinnlos Tasten, weil mir ein Videospiel das sagt."

In dem Game gebe es eigentlich keine wirkliche Herausforderung wie in anderen Spielen. Und das passe gut in die Philosophie des Spieleentwicklers Davey Wreden, der meint: Auch wenn es völlig egal sei, welche Entscheidung wir in einem Spiel treffen, so habe das dennoch eine Bedeutung, weil die SpielerInnen sie vorher mit sich selbst ausmachen - und das sage eine Menge über die spielende Person aus.

"Eigentlich hat das Game kein echtes Ziel. Tatsächlich hat das Spiel aber insgesamt fast 30 Enden."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Gamesexperte

Im Spiel fühle man sich ein wenig "wie eine Laborratte in einem Experiment, auf das sie überhaupt keinen Bock hat", sagt Thomas Ruscher. Trotzdem lasse man sich auf dieses Experiment ein, "weil es so interessant ist, und ich gespannt bin auf den nächsten Mindfuck, und was sich der Erzähler als nächstes ausdenkt."

"Stanley Parable: Ultra Deluxe" hat viele mögliche Enden - auch wenn Stanley von seinem Tasten-Drücken nie loskommt. Trotzdem gefällt das Game unserem Experten: "Es ist eine Erfahrung, ein Experiment und vor allem immer wieder überraschend." Man könne sich auch nur kurz mit dem Game beschäftigen und dennoch etwas Neues entdecken - ein neues Ende oder eine weitere Spinnerei des Erzählers.

"Vor allem macht es Spaß, wenn man schon ein paar Videospiele gespielt hat und dann in 'Stanley Parable' erkennt, worauf angespielt wird und welche Gamedesigns von anderen Spielen übertreiben und durch den Kakao gezogen werden."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Gamesexperte

Das Game: "The Stanley Parable: Ultra Deluxe" von "Crows Crows Crows" gibt es für den PC, die Xbox, Playstation und Nintendo Switch.