Im Streit um Erdgasvorkommen im Mittelmeer zwischen der Türkei und Griechenland versucht Heiko Maas zu vermitteln. Er reiste am Dienstag (25.8.2020) zu den beiden Parteien und hat versucht, sie zu einem Dialog zu bewegen.

Heiko Maas war am Dienstag (25.8.2020) in Griechenland und in der Türkei, um im Streit zwischen den beiden Staaten zu vermitteln. Bei dem Konflikt geht es um die Erkundung und Ausbeutung von Erdgasvorkommen im Mittelmeer. Die Griechen beanspruchen das gesamte Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer, da dort zwei griechische Inseln liegen. Die Türkei argumentiert dagegen: Sie hätten aufgrund des längeren Küstengebiets Anrecht auf die Gasfelder. Zurzeit reden die beiden Parteien nicht miteinander. Maas versucht, das zu ändern.

Türkei warnt vor Eskalation

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu erklärte sich Maas gegenüber zu Verhandlungen bereit. Das gelte aber nur unter der Voraussetzung, dass Griechenland keine Bedingungen für das Gespräch an die Türkei stellt. Außerdem warnte Cavusoglu Griechenland vor einer Eskalation des Konflikts. Sollten die Griechen einen falschen Schritt machen, würde die Türkei nicht zögern zu tun, was nötig ist. Christian Buttkereit, Deutschlandfunk-Korrespondent für Griechenland und die Türkei, glaubt, dass der türkische Außenminister damit auf den Zusammenstoß zweier Kriegsschiffe vor zwei Wochen anspielt.

Griechenland will Sanktionen der EU gegen die Türkei

Griechenland erklärte sich ebenfalls zum Dialog bereit. Der griechische Außenminister Nikos Dendias setzt allerdings ebenfalls voraus, dass die Türken keine Bedingungen stellen und die Bedrohungen stoppen. Dendias hat Maas außerdem darüber informiert, bei einem Treffen der EU-Außenminister diese Woche Sanktionen gegen die Türkei beschließen zu wollen.

Dlf-Korrespondent Buttkereit schätzt dieses Vorhaben als strategische Drohgebärde ein, um die Türken zu einem Gespräch zu bewegen. Zusätzlich würden die Sanktionen die Verhandlungen nur verhindern, wenn man sie tatsächlich beschließen sollte. Das türkische Forschungsschiff "Oruc Reis" ist noch bis Donnerstag im Mittelmeer stationiert. Wenn es passend zum Treffen der EU-Außenminister am Donnerstag oder am Freitag zurückgezogen wird, könnte das als positive Geste der Türken aufgefasst werden, meint Christian Buttkereit.

"Die Griechen hätten sicher nichts gegen Sanktionen gegen die Türkei, aber das würde in dieser Phase sicherlich den Dialog erst mal verhindern, der er vielleicht beginnen könnte."
Christian Buttkereit, Dlf Korrespondent für Griechenland und die Türkei

Aber von der Lösung des Konflikts sei man nach Buttkereits Meinung noch weit entfernt. Die Positionen der beiden Parteien lägen weit auseinander. Eine Lösungsmöglichkeit wäre eine Einigung der Parteien durch ein Gespräch. Eine andere, den Fall vor einem internationalen Gerichtshof zu verhandeln. Darauf müssten sich aber beide Länder einigen. Und ein Gespräch bleibt in jedem Fall der notwendige erste Schritt.