• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

1,7 Milliarden Dollar US-Dollar sollen an die Bevölkerung im Jemen gehen. Das ist das Ergebnis der Konferenz der Vereinten Nationen. Seit Jahren tobt ein blutiger Krieg. Am meisten trifft es die Bevölkerung: Ihre Lage ist katastrophal.

Die Prognose für die Lage im Jemen sieht düster aus: 400.000 Kinder könnten dieses Jahr dort verhungern. Die Zustände in dem Kriegsgebiet sind verheerend. Zwanzig von dreißig Millionen Menschen sind dort derzeit auf humanitäre Hilfe angewiesen. Auf der Geberkonferenz der Vereinten Nationen wurde die Lage nun besprochen - und Hilfe für die Bevölkerung zugesagt.

"Die Lage ist genauso wie diese Warnung klingt: apokalyptisch. Es gibt keine Worte, die diese humanitäre Krise übertreiben könnten."
Klaus Remme, Korrespondent im Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio

Neben der Bedrohung einer flächendeckenden Hungersnot treten noch eine Reihe anderer Faktoren, die die Lage zusätzlich erschweren, erklärt Klaus Remme, Korrespondent im Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio.

Der Ausbruch von Polio und Cholera, die Folgen der Kämpfe, eine Heuschrecken-Plage, eine hohe Dunkelziffer der Corona-Infizierten - jedes der Ereignisse für sich genommen würde die Versorgung im Jemen schon gefährden, sagt der Experte. Doch alles zusammen könne für eine ganze Generation tödlich sein.

Diplomatischer Ansatz des US-Präsidenten gescheitert

Zuletzt hatte US-Präsident Joe Biden einen diplomatischen Ansatz versucht: Er stellte die Waffenlieferungen für den saudisch geführten Angriffskrieg ein und ließ die Huthi-Rebellen von der Liste der Terrororganisationen streichen. Doch obwohl dieses Vorgehen die Verhandlungen erleichtern sollte, ist das Gegenteil eingetreten: Die Kämpfe der Huthi-Rebellen sind umso heftiger.

Rebellen kontrollieren weite Teile des Landes

Die Huthi-Rebellen sind eine politisch-militärische und schiitische Gruppierung. Sie haben bereits große Teile des Landes übernommen, darunter auch die Hauptstadt Sanaa und weite Gebiete im Norden, erklärt Klaus Remme. Sie kontrollieren vor allem Gegenden, in denen 70-80 Prozent der Bevölkerung im Jemen leben.

"Vor der Küste Jemens liegt ein Tanker, in dem über eine Million Barrel Öl lagern. Man weiß dieses Schiff leckt - deshalb wollen die Vereinten Nationen Zugang, um eine weitere Katastrophe zu verhindern."
Klaus Remme, Korrespondent im Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio

Ein weiteres Risiko: Der Tanker "Safer" liegt vor der Küste Jemens. Seit Mai 2020 ist klar, dass das Schiff leckt. Das ist ein Problem, denn darin lagern über eine Million Barrel Öl. Die Vereinten Nationen wollen sich dringend Zugang verschaffen, um eine Umwelt-Katastrophe zu verhindern. Denn diese würde alle anderen wie etwa den Auslauf der Exxon Valdez in den 80er Jahren, in den Schatten stellen, sagt der Experte.

Auch Deutschland stockt Hilfe auf

Deutschland zählt bereits zu den Ländern, die am meisten Hilfe für Jemen zugesichert haben. Außenminister Heiko Maas hat auf der Geberkonferenz bestätigt, dass dieses Jahr 200 Millionen in das Land fließen sollen. Das soll schnell passieren: 160 Millionen davon sind bereits zur Verfügung gestellt.

Trotzdem gibt es Befürchtungen, dass am Ende nicht genügend von allen Ländern zusammenkommt. Zu sehr habe die Pandemie die Finanzkräfte vieler Geberländer geschwächt.