Manche Menschen wünschen sich zu ihrem Geburtstag oder zu ihrer Hochzeit keine Geschenke. Sie bitten die Gäste, doch lieber etwas zu spenden. Das mag ehrenwert sein - allerdings ist Spenden etwas ganz anderes als ein Geschenk.

"Wir haben schon alles. Schenkt uns nichts, spendet lieber an XYZ." Sätze wie diese sind inzwischen häufiger auf Einladungen zu finden.

An und für sich alles kein Problem - allerdings torpediert diese Vorgehensweise das ursprüngliche Konzept Geschenk etwas.

Schenken ist etwas anderes als Spenden

Ein Geschenk hat nicht nur einen materiellen Wert. Es drückt immer auch aus, dass wir den Beschenkten gern haben und an ihn gedacht haben.

Holger Schwaiger hat das als Soziologe in der seiner Doktorarbeit "Schenken. Entwurf einer sozialen Morphologie aus Perspektive der Kommunikationstheorie" untersucht. Er sagt: Spenden hat mit sozialen Beziehungen wenig zu tun.

"Ein Geschenk soll die Botschaft übermitteln: 'Ich hab dich gern, ich hab an dich gedacht, ich möchte weiter eine Beziehung mit dir pflegen."
Holger Schwaiger, Soziologe

Wenn wir uns für eine Freundin oder einen Freund ein Geschenk überlegen, dann ist alleine das schon eine Wertschätzung. Moderne Schenkarbeit nennt Holger Schwaiger das.

Er meint damit, dass wir uns vorher mit der Person auseinandersetzen und damit ausdrücken: "Du, ich hab' dich gerne, für dich habe ich dieses Geschenk ausgesucht". Mit dieser Geschenkkommunikation hat eine Spende nichts zu tun.

"Auch die Übergabe des Geschenks ist wichtig."
Holger Schwaiger, Soziologe

Alleine schon die Übergabe des Geschenks fällt bei einer Spende weg. Im sozialen Sinne ist nämlich auch die wichtig, sagt Holger Schwaiger. Selbst, wenn das Geschenk doch nicht wie gewünscht den Geschmack der Person trifft.

Geschenk hat symbolischen Wert

Eine Spende ist dabei viel anonymer. Selbst, wenn wir eine Spendenquittung übergeben, erfüllt es im soziologischen Sinne nicht den gleichen Zweck und vermitteln nicht den gleichen Wert.

Der Königsweg liegt deshalb wohl in der Mischung: Dem Wunsch der Person nachkommen und spenden. Und zusätzlich ein kleines Geschenk, vielleicht ein paar Blumen, mitzubringen, "um die soziale Beziehung durch ein Geschenk zu untermauern", wie Holger Schwaiger es ausdrückt.