Wenn wir uns selbst als geduldige Menschen definieren, selbst wenn wir das nicht sind, kann uns das helfen. Dann passen wir eher unser Verhalten an.

Wann kriege ich die Antwort auf meine Bewerbung? Wann öffnen die Clubs wieder? Wann kommt endlich das Paket mit den Klamotten, die bestellt hatte? Warum ist die Schlange an der Kasse so lang? Und wann kommt eigentlich dieser Bus mal, der ist schon fünf Minuten überfällig...? Unsere Geduld wird dauernd auf die Probe gestellt.

Bei Geduld, der Fähigkeit zu warten oder etwas zu ertragen, geht es zum einen um Impulskontrolle. Das heißt, dass wir nicht zu schnell und unüberlegt handeln. Zum anderen aber auch darum, unsere Erwartungen zu managen, sagt der Neurowissenschaftler Henning Beck.

Sich bewusst machen, wofür man wartet

Während ungeduldige Menschen oft schneller zugreifen, weil sie denken, in der Zukunft wird es schlimm, sagt der Wissenschaftler, zeichnen sich geduldige Menschen durch einen optimistischeren Blick auf das aus, was noch kommen wird.

Es geht also bei Geduld nicht nur darum, die eigenen Impulse zu kontrollieren, sondern sich auch darüber bewusst zu sein, wofür wir warten, sagt Henning Beck.

"Geduldige Menschen sind viel besser in der Lage sich vorzustellen, wie schön es in der Zukunft sein könnte."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Geduld ist nichts, was angeboren ist und Geduld ist auch nichts, was immer gleich bleibt, sagt Henning Beck. So wie wir nicht ständig fröhlich oder traurig sind, müssen wir lernen, wann es sich lohnt abzuwarten und wann wir zugreifen sollten.

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Ein Trick: Sich selbst als geduldige Person definieren

Bei dem bekannten Marshmallow-Test, der mit etwa vier Jahre alten Kindern aus der Vorschule des Stanford Campus durchgeführt wurde, geht es zum Beispiel darum, die eigenen Impulse zu kontrollieren. Die Vorschulkinder bekommen einen Marshmallow angeboten, den sie sofort essen können, oder noch einen zusätzlichen zweiten Marshmallow, wenn sie in der Lage sind, sich für eine bestimmte Zeit zu gedulden.

Mit ein paar Tricks könne man diese Art der klassischen Impulskontrolle trainieren, damit man die Wartezeit besser aushält – auch als Erwachsener, sagt Henning Beck. In der Lebensweise, die wir jetzt haben, in der vieles leicht und schnell verfügbar ist und wir viele Optionen haben, kann es schwerer fallen, geduldig zu bleiben. Diese Fähigkeit müsse man tatsächlich ein wenig trainieren.

"Am ungeduldigsten sind die, die sich selbst einreden, dass sie ungeduldig sind."
Henning Beck, Neurowissenschaftler

Wenn man Personen sagt, dass sie geduldig sind, auch wenn zuvor gemessen wurde, dass sie das nicht sind, verhalten sich diese Personen zum Beispiel geduldiger. Das heißt, ob wir geduldig sein können, hängt auch davon ab, ob wir uns selbst als geduldiger oder ungeduldiger Mensch definieren.

Lernen, wann wir geduldig oder ungeduldig sein sollten

Ungeduldige Menschen denken nach dieser Logik eher daran, was sie aktuell nicht haben. Geduldige Menschen stellen sich vor, was sie in der Zukunft haben könnten. Dabei hat auch Ungeduld ihre Vorteile. Es geht also auch darum zu lernen, wann uns Geduld und Ungeduld jeweils guttun.

"Geduld hat nicht nur Vorteile, Ungeduld kann auch Vorteile haben. Also, wenn du vom Tellerwäscher zum Millionär aufsteigen möchtest, musst du jede sich dir bietende Gelegenheit nutzen."
Henning Beck, Neurowissenschaftler