Hinter einem anonymen Anruf kann ein Betrugsversuch stecken. Deshalb hat die Telekom jetzt Branded Calls eingeführt. Heißt: Auf dem Display wird neben der Nummer auch der Name verifizierter Unternehmen angezeigt. Führt das zu mehr Vertrauen?
Allein in Deutschland gehen Fachleute jährlich von Millionen Spam-Anrufen aus. Durch die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz wird das Problem zudem immer größer, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll. Obwohl Deutschland im EU-Vergleich nicht zu den Spitzenreitern beim Nummernmissbrauch zählt, hat die Bundesnetzagentur 2024 mehr als 154.000 Beschwerden über Rufnummernmissbrauch erhalten.
So arbeiten Telefonbetrüger
Kriminelle gehen beim Telefonbetrug häufig so vor: Sie fälschen gezielt Telefonnummern und geben sich als lokale Firmen, Banken oder Behörden aus. "Dieses Caller-ID-Spoofing untergräbt natürlich das Grundprinzip des Telefons: dass man dem Anrufer zumindest ein bisschen trauen kann", sagt unser Reporter.
"Telefonbetrug ist heutzutage billig, häufig auch automatisiert und schwer zu verfolgen."
Deshalb werden die Menschen immer misstrauischer und nehmen Anrufe von unbekannten Nummern nicht mehr an, so Andreas Noll. Eine internationale Untersuchung nennt sogar eine Zahl von 80 Prozent. Der Fachbegriff dafür heißt "Unanswered Call Dilemma".
Telefon soll wieder vertrauenswürdig werden
Genau hier setzten die sogenannten Branded Calls an. Dabei wird ein Anruf netzseitig verifiziert. Statt nur einer Nummer sehen Nutzerinnen und Nutzer im Display zum Beispiel den Namen einer Versicherung oder eines Autohauses. Das funktioniert ohne App auf dem Handy und nur für Unternehmen, die zuvor verifiziert wurden.
"Betrüger sollen dieses Branding nicht fälschen können. Das ist sozusagen das Gegenstück zum Blockieren von bestimmten Rufnummern."
Die Idee ist allerdings nicht ganz neu. Samsung arbeitet schon seit einiger Zeit mit der Firma Hiya zusammen, die eine Datenbank für seriöse Unternehmen führt. Deshalb kennen in Deutschland schon viele Branded Calls, weil Samsung-Handys hier sehr verbreitet sind.
Die Telekom bietet das System nun unabhängig von Hersteller oder Alter des Handys an. Möglicherweise kommt die Funktion noch in diesem Jahr für alle Telefonnetze in Deutschland. Kombiniert mit den Spamwarnungen wie "Vorsicht, möglicher Betrug!", die es mittlerweile auch gibt, wächst damit die Sicherheit für Nutzerinnen und Nutzer.
Kriminelle zu überführen ist nicht so einfach
Das Problem: Kriminelle im Ausland sind schwer zu fassen. "Das ist ein mühsames Geschäft, so dass es bei der Ermittlung und Bestrafung auf diesem Gebiet eine gewisse staatliche Ohnmacht gibt", erläutert unser Reporter. Es gibt aber inzwischen technische Lösungen, die helfen sollen.
So wollen andere Länder Telefonbetrug verhindern
In der Schweiz beispielsweise müssen seit dem 1. Januar 2026 Anrufe aus dem Ausland, die eine Schweizer Nummer verwenden, entsprechend gekennzeichnet werden. In Österreich ist das schon länger der Fall. Dort darf nur eine österreichische Nummer im Display angezeigt werden, wenn der Anschluss auch aus Österreich stammt.
Auch Frankreich hat zum 1. Januar 2026 seine Gesetzgebung in diesem Bereich verschärft: Unaufgeforderte Werbeaufrufe sind grundsätzlich verboten – genau wie in Deutschland. Das französische Modell sei allerdings enger gefasst und dürfte noch wirksamer sein, schätzt Andreas Noll.
