Die Mieten sind hoch und die Zahl der Wohnheimplätze niedrig - eine Gruppe Heidelberger Studenten plant jetzt, ihr eigenes Wohnheim zu eröffnen.

"Ich hatte Glück", sagt Franziska Meier, Mitinitiatorin des Projekts Collegium Academicum, sie musste sich "nur" neun WGs ansehen, bis sie ein Zimmer gefunden hatte. 

In Heidelberg sind die Wohnheimplätze rar gesät: Auf 5.000 Wohnheimzimmer kommen 40.000 Studierende. Viele Erstsemestler kommen privat zur Untermiete, gründen eigene WGs oder müssen erst mal in Notunterkünfte. Und die Mieten sind meist hoch. 

Niedrige Miete für soziales Engagement

Franziska ist sehr glücklich in ihrer Haus-WG: Auf drei Etagen befinden sich drei Wohngemeinschaften, es gibt viel Platz, die Mitbewohner haben die unterschiedlichsten Fächer studiert und ergänzen sich dadurch gegenseitig. Obendrein sind die Mieten günstig. 

Das Haus, in dem Franziska in der Heidelberger Altstadt wohnt, gehört einem Verein. Im Gegenzug zur niedrigen Miete können die WG-Bewohner sich ehrenamtlich engagieren. 

"Sehr viel mehr Menschen sollten so wohnen können."
Franziska Meier, Mitinitiatorin "Collegium Academicum"

Zusammen mit ihren Freunden kam Franziska vor fünf Jahren auf die Idee, dass sie ein Wohnheim planen und gestalten sollten, das auch anderen Studierenden so eine ideale Wohnsituation ermöglicht. 

Ein Platz für das geplante Wohnheim war schnell gefunden. Dadurch, dass amerikanischen Soldaten in den letzten Jahren in die USA zurückgekehrt sind, stehen viele Kasernengebäude leer. Eins davon hat Franziska zusammen mit ihren Freunden erworben. In den nächsten Jahren soll das herrschaftliche Gebäude durch einen Neubau ergänzt werden. 

Gemeinschaftlich leben

Der Plan ist, dass die Bewohner nicht nur gemeinsam wohnen, sondern auch zusammen leben - die Initiatoren planen WG-Zimmer genauso wie Gemeinschaftsräume, eine Werkstatt und einen Veranstaltungsraum ein. 

Teil des Konzepts ist es also, dass die WGler sich austauschen und sich gegenseitig unterstützen - alleine schon dadurch, wenn sie die Werkstatt nutzen und sich beispielsweise gegenseitig dabei helfen, ein Fahrrad zu reparieren oder ähnliches. 

Jeder kann mitentscheiden

Das Wohnheim soll auch Anlaufstelle für Abiturienten sein, die hier wohnen und sich dabei ein Jahr lang auf das Studium vorbereiten können. 

Das Wohnheim soll selbstverwaltet sein - jeder Bewohner kann und soll sich mit seiner Stimme an gemeinschaftlichen Entscheidungen. 

Förderung bekommt das Projekt Collegium Academikum" von der "Internationalen Bauausstellung", die sich von 2012 bis 2022 in Heidelberg befindet. Darüber hinaus können auch private Investoren Geld zur Verfügung stellen.