Einwegbecher verursachen jährlich 28.000 Tonnen Müll. Auch dem Umweltministerium ist das zu viel. Die Idee: Pfand und Steuern.

Täglich werden knapp 7,7 Millionen Einwegbecher in Deutschland weggeschmissen. Fast die Hälfte wird an Automaten verkauft, knapp ein Viertel in Fastfood- und Caféketten. 2,8 Milliarden sind es jedes Jahr. 1,3 Milliarden Kunststoffdeckel kommen noch dazu. Insgesamt entsteht Abfall mit einem Gesamtgewicht von 28.000 Tonnen. Das stellt gerade in Innenstädten ein massives Müllproblem dar.

Mit einem Pfandsystem und einer Besteuerung der Einwegbecher und der Deckel ließe sich die Menge in drei Jahren um die Hälfte reduzieren. Zu diesem Schluss kommt das Umweltbundesamt in einer Studie. Die Zahlen sind keine absoluten Verbrauchszahlen, sondern das Ergebnis von Hochrechnungen.

"Jeder von uns nutzt 34 solcher Einwegbecher im Jahr. Für Umweltministerin Svenja Schulze ist das ein überflüssiges Produkt, weil es nur 15 Minuten genutzt wird."
Carolin Born, Korrespondentin für Berlin

Der Vorschlag, den auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) mitträgt: Einwegbecher sollen mit 25 Cent Pfand belegt werden. Außerdem sollten Einwegbecher mit je 20 Cent, die zugehörigen Deckel mit je zehn Cent besteuert werden. So sollen Automatenbetreiber, Restaurantketten, Cafés – also alle, die die Becher kaufen – finanziell zur Entsorgung der Becher beitragen.

Vergleichbare Ideen gibt es auf Ebene der Bundesländer seit Jahren immer wieder – beispielsweise Hamburg im Jahr 2015 und Berlin im Jahr 2016. Neu ist: Eine EU-Richtlinie zum Verpackungsmüll erhöht wohl auch auf Bundesebene den Handlungsdruck.

Auf dem Weg zum Mehrwegbecher

Die Studienautoren des Umweltbundesamts schlagen ein gesetzliches Reduktionsziel der Einwegbecher von 50 Prozent binnen zwei bis drei Jahren vor. Diese Zeit sollte laut der Studie genügen, um ein flächendeckendes Mehrwegsystem aufzubauen.

"Kaffeebecher gehören zu den zehn kunststoffhaltigen Einwegprodukten, die in Europa am häufigsten am Strand oder im Meer herumliegen."
Carolin Born, Korrespondentin für Berlin

Außerdem sollte Kaffee im Pfandbecher deutlich günstiger verkauft werden als im Einweggefäß, schlagen die Wissenschaftler vor. Damit Pfandbecher tatsächlich umweltfreundlicher als Einwegbecher sind, müssen sie möglichst häufig verwendet werden.

Die Mitarbeiter des Umweltbundesamts haben berechnet, dass ein Pfandbecher mindestens zehnmal, am besten sogar mehr als 25 Mal in Umlauf kommen sollte. Zudem sollten die Becher nicht mit Einwegplastikdeckeln versehen werden, da diese die Ökobilanz wieder verschlechtern. Spülmaschinen zur Reinigung der Becher sollten nur mit Ökostrom betrieben werden.