Laut einer neuen Umfrage können sich zwei Drittel der Befragten gut einen Job im Ausland vorstellen. Doch nur die wenigsten verlassen Deutschland am Ende aber auch wirklich. Die Beliebtheit eines Landes hat zuletzt besonders gelitten.
Das Jobportal Indeed hat 1000 Beschäftigte befragt. Dabei kam heraus, dass etwa zwei Drittel einen Jobwechsel ins Ausland in Betracht werden. Der am drittmeisten genannte Grund? Knapp 42 Prozent haben den Wunsch nach einem "angenehmeren Klima" angegeben – die Umfrage des Jobportals Indeed ist von Anfang Mai.
Man darf also annehmen, dass die befragten Personen eher damit meinten, dem usseligen Spätherbst oder kalten Winter in Deutschland entfliehen zu wollen und nicht der aktuellen Hitzewelle.
Besseres Wetter?
Aktuell – bei Temperaturen um die 40 Grad – würden sich einige dagegen vielleicht lieber an den Nordpol wünschen… aber zurück zu den Fakten: Unsere Reporterin Anne-Katrin Eutin hat Menschen in Köln befragt, ob und warum sie gern im Ausland arbeiten würden (bei 36 Grad im Schatten übrigens, das Wetter wurde aber nicht als Argument genannt):
- "Gehalt wäre schon mal ein Ansporn."
- "Dass eine gute Wohnung da ist und gute Lebensbedingungen."
- "Erst dann, wenn meine Familie mit ins Ausland ziehen würde, sonst gar nicht!"
- "Ich persönlich würde jetzt nur für Liebe ins Ausland ziehen. Wenn das stimmt, ist alles andere nicht so wichtig."
"Das Gehalt war auch in der Umfrage der am häufigsten genannte Grund, neben einer besseren Lebensqualität und der Hoffnung auf geringere Steuern."
Soziale Aspekte – und ein besseres Gehalt
Der Wunsch nach mehr Geld und geringeren Steuern steht an der Spitze. Das bestätige die allgemeinen Studienlage, sagt Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.
"Es ist generell so, man geht dahin, wo man am meisten verdient, also wirtschaftliche Motive spielen eine große Rolle."
Die beliebtesten Länder für einen Deutschland-Exit waren laut Umfrage die USA, Schweiz und Großbritannien – jeweils mit 14 Prozent aller Suchanfragen auf dem Jobportal. Bei den USA gingen die Suchanfragen im Vergleich zum Vorjahr allerdings um ein Drittel zurück.
USA, Schweiz und Großbritannien
Dass sich zwei von drei Personen in Deutschland einen berufsbedingten Umzug ins Ausland vorstellen können, klingt erstmal nach sehr viel. Für manche Berufsgruppen wie Beamte oder Lehrer ist das aber bedeutend schwerer als für andere.
Vorstellen können ist das eine – machen das andere
Dazu kommt: Sich einen Job im Ausland grundsätzlich vorstellen zu können, ist noch sehr weit entfernt von dem tatsächlichen Akt, das dann auch in die Tat umzusetzen, sagt Herbert Brücker. 2025 waren es insgesamt 288.000 Deutsche, die dann auch wirklich für einen Job ins Ausland gezogen sind – das sind also lediglich 0,3 Prozent der Bevölkerung, hat Anne-Katrin Eutin ausgerechnet.
Vor allem Sehr-Gut-Verdiener gehen ins Ausland
Vor allem diejenigen, die besonders gut verdienen, haben laut der Umfrage auch besonders häufig angegeben, den Auslandsstellenmarkt gezielt zu sondieren oder sich sogar schon beworben zu haben. Das waren Menschen mit einem Haushaltsnettoeinkommen über 6.000 Euro.
"Global ist der Anteil der Hochschulabsolventen, der wandert, etwa viermal so hoch wie der Anteil von Menschen ohne Berufsabschlüsse."
Der Anteil der Hochschulabsolventen, die wegen der Arbeit ihr Heimatland verlassen, sei weltweit etwa viermal so hoch wie der Anteil von Menschen ohne Berufsabschlüsse, sagt Herbert Brücker. Das treffe auch auf Deutschland zu.
Schon zum Studium in die USA?
Schon als Schülerinnen und Schüler und später dann zum Studium gingen viele Menschen ins Ausland. Das liege wahrscheinlich unter anderem an ihrem Qualifikationsprofil und ihren Sprachkenntnissen, vermutet der Experte. Unter Umständen hätten diese Personen auch bereits professionelle Netzwerke oder Kontakte und würden sich in den entsprechenden Ländern dann schon ganz gut auskennen. In diesem Fall wären dann auch "die Kosten für die Wanderung als Anteil am Gehalt" geringer.
Und klar: Wer mehrere Sprachen spricht, der oder dem steht die Welt offener als anderen (denen das aber auch vielleicht gar nicht so wichtig ist).
Arbeitsmigration in die andere Richtung – im Niedriglohnsektor
Bei Pflegeberufen, im Einzelhandel, der Gastronomie oder der Landwirtschaft spielt der jobbedingte Umzug bereits jetzt eine große Rolle. Allerdings betrifft das vor allem Menschen, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen.
Deutsche, die in diesen Berufsgruppen tätig sind, bleiben eher hier, weil der Verdienst und die Arbeitsbedingungen im Ausland oft nicht besser sind – mit ein paar wenigen Ausnahmen vielleicht.
Umzug ja – aber nur auf Zeit
Die Menschen, die sich in der Umfrage vorstellen konnten, für den Job ins Ausland zu ziehen, wollten das aber zu zwei Dritteln nur temporär. Viele ziehen zum Beispiel wieder zurück, wenn sie Kinder bekommen, erklärt Harald Brücker.
Die Kinderbetreuung ist nämlich zum Beispiel in den USA oder der Schweiz extrem teuer. Zudem spielt nach der Familiengründung natürlich auch generell das familiäre Umfeld wieder eine größere Rolle.
