Für Gehörlose ist die Maskenpflicht im Alltag ein echtes Problem. Sie können nicht mehr Lippenlesen und haben in alltäglichen Situationen eigentlich keine Chance mehr, überhaupt etwas Gesprochenes zu verstehen.

Cindy Klink ist 22 Jahre alt, gehörlos und arbeitet in einer Kommunalverwaltung als Personalsachbearbeiterin. Außerdem ist sie als Influencerin unterwegs und hat früh auf das Problem aufmerksam gemacht.

In einem eindringlichen Video-Appell hat sie darum gebeten, transparente Alltagsmasken zu benutzen, damit sie selbst und andere Gehörlose die Menschen in ihrer Umgebung verstehen können. Das Video hat inzwischen 1,7 Millionen Views (Stand 28.04.2020). Sie hatte bereits vor der Einführung der bundesweiten Maskenpflicht zum Tragen von Alltagsmasken aufgerufen, bei denen die Mundpartie sichtbar bleibt.

Kommunikationsprobleme beim Arzt

Seit viele Leute mit Masken unterwegs sind, versteh sie so gut wie niemanden mehr. Vor allem beim Arzt hat sie diese Erfahrung gemacht. Im Endeffekt habe sie die Diagnose der Ärztin nicht verstehen können. In der Situation konnte sie aufgrund der schlechten Internetverbindung keinen Onlinedolmetscher verwenden. Von den Schwierigkeiten beim Einkaufen haben ihr Freunde berichtet. Sie selbst war noch nicht im Supermarkt unterwegs, seit es die Maskenpflicht gibt.

"Es ist ein beklemmendes Gefühl, zu wissen, jeder trägt die Maske und egal, mit wem du kommunizieren musst, du wirst nichts verstehen."
Cindy Klink über Alltagsmasken als Kommunikationsproblem

Für sie sei zu Hause bleiben und den Problemen aus dem Weg zu gehen, keine Lösung. Sie startet wegen der Masken gerade eine Petition. Eine gangbare Lösung wäre für sie, dass vor allem systemrelevante Dienstleister eine durchsichtige Maske zur Verfügung haben, um sie in Gegenwart von Gehörlosen zu verwenden. Mittlerweile gebe es sogar ein Gestell, das auch für medizinische Zwecke geeignet ist, sagt Cindy Klink.

Aufklärung hilft

Sie hofft, dass mehr Menschen mittlerweile sensibler dafür sind, dass Masken für Gehörlose ein Problem sein können und sagt: "Wenn man das Thema offen anspricht und erklärt, aus welchem Grund das ein Problem sein kann und vorschlägt, wie man es vielleicht besser machen kann, das öffnet viele Augen."

Laura Schwengber ist Gebärdendolmetscherin. Sie bestätigt, dass Masken Gehörlosen massive Probleme bereiten. Sie selbst und ihre Kolleginnen und Kollegen müssten beim Dolmetschen deutlich größeren Aufwand betreiben, wenn Masken das Mundbild verdecken.

Bei einer Reihe von Worten, hätten Mundbewegung eine unterscheidende Funktion. Sie unterscheiden das eine Wort von einem anderen – zum Beispiel bei den Wörtern Politik und Technik

Laura Schwengber über die Bedeutung der Mundbewegungen bei ihrer Arbeit als Gebärdendolmetscherin
"Das Mundbild unterscheidet die verschiedenen Vokabeln. Wenn ich das Mundbild nicht habe, muss ich doch einiges mehr investieren um das Gegenüber zu verstehe."

Das ganze Gespräch mit Laura Schwengber könnt ihr hier anhören.

Die Gebärdendolmetscherin Laura Schwengber bei der Arbeit – hier während eines Konzerts in Potsdam 2014
© dpa
Die Gebärdendolmetscherin Laura Schwengber bei der Arbeit – hier während eines Konzerts in Potsdam 2014