Die Suche nach dem ewigen Glück: ein ebenso ewiger Traum der Menschheit. Doch seit Adam und Eva konnte ihn niemand mehr realisieren, obwohl das auch heute immer noch so viele Menschen versuchen. Glücksratgeber boomen, ohne, dass sich der versprochene Erfolg nach der Lektüre auch tatsächlich einstellt.

"Lasst den Quatsch!", urteilt der Lebenskunstphilosoph Wilhelm Schmid darüber: "Ich muss gar nichts. Ich muss auch nicht genießen", meint der Hörsaalredner.

"Wenn wir die Erwartung haben, dass wir ein fröhliches Leben führen, wird ein unglückliches Leben natürlich eine Ungeheuerlichkeit."
Wilhelm Schmid, Lebenskunstphilosoph

Schmid hat am 7. Juli 2016 im österreichischen Lech am Vorarlberg gesprochen. Er ist freier Philosoph, unter anderem an der Universität Erfurt und vor allem Bestsellerautor. Sein Buch "Gelassenheit - Was wir gewinnen, wenn wir älter werden" steht schon seit Monaten auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Trübsal blasen ist wichtig

In seinem Vortrag erklärt er uns, dass all jene, die ständig "Carpe diem" posten, ihrem Unglück förmlich entgegenlaufen. Der Römer hingegen sei schon früher viel klüger gewesen: Der habe gesagt "Genieße den Tag!" und nicht "Genieße jeden Tag", wie das heutzutage viele verstanden haben wollen. Nein, wir sollen Trübsal blasen, ruhig auch tagelang, wir sollen uns bei der Arbeit richtig anstrengen und uns nicht an jedem Tag erfreuen wollen, rät er uns. Den Wert der Gelassenheit und Momente des Glücks könnten wir erst dann genießen, wenn wir deren Wert inmitten des Stresses erlebten. Und überhaupt:

"Alle Philosophen seit alten Zeiten waren immer auch von dem Verdacht heimgesucht, diese ganze Welt könnte unsere Einbildung sein."
Wilhelm Schmid, Lebenskunst-Philosoph

Wenn unsere Einbildung immer nur positiv ausgerichtet sei, so Schmid, könne das fatale Folgen für uns haben. Wer glaube, dass seine Frau ihn liebt und die ihn bald verlässt, dem liege ein deutliches Indiz dafür vor, dass er sich geirrt habe. Ganz zu schweigen von der Welt, die dann zusammenstürzt, weil er sich unglücklich fühlt. Eine Katastrophe also gerade für den, der immer nur dem Glück hinterher hechelt und es gerade deshalb nicht erreicht.

Unsere Sendung mit Wilhelm Schmid bildet den Auftakt zu einer Hörsaal-Sommerreihe, in der wir in der Ferienzeit auf die Suche nach uns selbst gehen.

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