Der Trend zu nachhaltigen Fonds wächst. Nachhaltigkeit meint dabei auch die Gleichstellung der Geschlechter in Unternehmen. Die veröffentlichten Zahlen sagen jedoch nur bedingt etwas über eine frauenfreundliche Unternehmenskultur aus.

Wer sein Geld anlegen will, kann dabei verschiedene Kriterien berücksichtigen - die Frage ist: Was ist mir wichtig? Nachhaltigkeit ist beispielsweise so ein Kriterium, auf das viele schauen. Und ein Aspekt davon ist beispielsweise, wie Unternehmen mit Frauen umgehen. Speziell dafür gibt es sogenannte Gender-Fonds, also Fonds, in denen Unternehmen sind, die sich für Gleichstellung oder gleiche Bezahlung von Männern und Frauen einsetzen. Weitere Kriterien sind der Anteil von Frauen im Aufsichtsrat oder Vorstand oder fairer Umgang mit Elternzeit.

Wie gleichberechtigt die Unternehmenskultur ist, lässt sich allerdings nur auf der Grundlage von Daten beurteilen, die das Unternehmen veröffentlicht. Ob sich der Alltag in einem Unternehmen wirklich so frauenfreundlich gestaltet, geht aus diesen Daten meistens nicht hervor, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Katharina Peetz.

"Im Zweifelsfall weiß man noch nicht, wie da tatsächlich die Unternehmenskultur aussieht oder wie frauenfreundlich sie im Alltag ist, nur weil es jetzt zum Beispiel einen bestimmten Frauenanteil gibt."
Katharina Peetz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Der erste Gender-Fonds kam 2015 auf den Markt, in den vergangenen Jahren sind noch einige mehr dazu gekommen. Und auch die Menge an Geld, die in diese Fonds investiert wird, wächst immer stärker an.

Die Frage nach dem wirtschaftlichen Erfolg

Das Hauptargument für diese Fonds ist die Annahme, Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil sind wirtschaftlich erfolgreicher. Darauf weisen auch einige Untersuchungen hin, wie beispielsweise die Studie des Peterson Instituts for International Economics.

Die Finanzberaterin Annika Peters von der FrauenFinanzBeratung in Stuttgart ist da allerdings skeptisch: Sie erklärt, dass die Studien den kausalen Zusammenhang zwischen dem Frauenanteil und dem wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens noch nicht ausreichend belegt haben. Es könnte auch andere Gründe für den Erfolg von den Unternehmen an der Börse geben.

Gender-Fonds bisher nicht breit genug aufgestellt

Auch die Frage nach der Rentabilität von Gender-Fonds lässt sich nicht so einfach beantworten - Annika Peters bietet Gender-Fonds in ihrer Beratung bisher noch nicht an, da die Indizes derzeit nur 100 bis 150 Unternehmen enthalten. Je weniger Unternehmen ein Index enthält, desto stärker spüren die Anlegerinnen und Anleger auch die Verluste.

Zudem bemängelt sie, dass der Fokus der Gender-Fonds auf bestimmten Branchen liege, die eben interessant für Frauen seien und die Frauenquote dadurch automatisch höher sei. Manche Expertinnen und Experten gehen deshalb auch davon aus, dass es bei Gender-Fonds oft auch viel ums Marketing geht.

Genau hinsehen und erstmal beraten lassen

Wer sich also für nachhaltige Investitionen interessiert, sollte deshalb immer genau hinsehen, in welches Unternehmen man investiert und am besten zusätzlich eine unabhängige Beratung aufsuchen, rät Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Katharina Peetz. Denn fest steht auch: Ein hoher Frauenanteil in einem Unternehmen zeigt noch nicht, ob das Unternehmen auch andere Kriterien erfüllt, die unter dem Schlagwort Nachhaltigkeit laufen.

"Nur weil ein Unternehmen vielleicht einen gewissen Frauenanteil hat, erfüllt es nicht unbedingt auch andere Kriterien, die unter dem Schlagwort Nachhaltigkeit laufen oder meinen moralischen Vorstellungen entsprechen."
Katharina Peetz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin