Frauen verdienen weniger als Männer. Das ist auch 2022 noch so, auch wenn sich die Gehaltsunterschiede langsam aber kontinuierlich angleichen. Bei Menschen unter 30 sinkt die Gehaltslücke der Geschlechter am stärksten.

In den vergangenen Jahren ist der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen – bekannt als Gender-Pay-Gap – zwar auf 18 Prozent gesunken, aber anders herum betrachtet verdienen Frauen immer noch weniger als Männer.

In einem Bericht vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung zum Equal Pay Day am kommenden Montag ist nun zu lesen, dass der Gehaltsunterschied bei Unter-30-Jährigen nur noch bei acht Prozent liegt.

Katharina Wrohlich ist Professorin für Öffentliche Finanzen, Gender- und Familienökonomie an der Uni Potsdam. Sie beschäftigt sich in ihrer Forschung unter anderem mit der Verteilung von Gehältern bei Männern und Frauen.

Die stärkere Annäherung der Gehälter bei Leuten bis 30 ist für sie ein Grund zur Freude, denn in 1990er-Jahren war der Unterschied noch fast doppelt so hoch. Dass sich die Gehälter ausschließlich bei Arbeitenden unter 30 Jahren mehr annähern, erklärt sich dadurch, dass die Bildungsunterschiede zwischen Männern und Frauen in dieser Gruppe abnehmen.

In vielen Bereichen gibt es inzwischen mehr Absolventinnen

"Wir haben in vielen Bereichen gleich viele, in manchen sogar mehr Hochschulabsolventinnen als Absolventen. Das war in den Generationen davor noch ganz anders", so Wrohlich Die Tatsache, dass Frauen in der Bildung stark aufgeholt haben, merke man in der Bezahlung. Sie erklärt, dass Frauen in früheren Generationen noch deutlich geringere Bildungsabschlüsse gehabt haben.

Dass der Gehaltsunterschied nicht ganz verschwinden wird, liegt an dem allgemeinen Unterschied in den Bruttostundenlöhnen. Weiter arbeiten Frauen in anderen Berufen als Männer, in denen das Gehalt meistens niedriger ist.

"Das Problem der starken Segregation am Arbeitsmarkt ist geringer geworden. Wir sehen es aber auch noch bei der jüngeren Generation."
Katharina Wrohlich, Professorin an der Uni Potsdam

Davon, dass sich die Segregation in "Männer-" und "Frauenberufe" am Arbeitsmarkt langfristig ändern wird, ist Wrohlich überzeugt. Die geringere Bezahlung in Frauenberufen beobachtet die Wissenschaftlerin weiterhin. In der Pandemie zeigt sich, dass gerade Berufe im Pflege- und Bildungsbereich hohe Relevanz haben. Da in diesen Berufen hoher Kräftemangel herrscht, sei folgerichtig, dass auch hier die Löhne steigen.

Gender-Care-Gap begünstigt Gender-Pay-Gap

Der Angleich der Löhne bezieht sich allerdings ausschließlich auf jüngere Menschen, sagt Katharina Wrohlich. Dass sich in der Altersgruppe ab 40 Jahren in den letzten 30 Jahren so gut wie nichts getan hat, bedauert die Professorin der Uni Potsdam.

Weitere Auswirkungen auf die unterschiedlichen Verdienste zwischen Mann und Frau haben Care-Leistungen, wie Kinderbetreuung, Kochen und Versorgung pflegebedürftiger Angehöriger. "Dieser Gender-Care-Gap, also die ungleiche Aufteilung der Sorge-Arbeit, hängt ganz stark mit dem Gender-Pay-Gap zusammen", sagt Katharina Wrohlich.

Ab dem 30. Lebensjahr einer Frau steigt der Unterschied in der Bezahlung am stärksten. Grund dafür ist, dass viele Frauen in dieser Lebensphase Kinder zur Welt bringen und sich um die Fürsorge kümmern. "Da beginnt oft die auch die starke Ungleichheit in der Sorgearbeit", so Katharina Wrohlich.

Durchschnittlich gehen Frauen länger in Elternzeit und bleiben danach auch häufiger und länger in Teilzeit beschäftigt als Männer. Katharina Wrohlich verweist auf die Daten, dass Frauen in den meisten Fällen dauerhaft in Teilzeitarbeit beschäftigt bleiben. Das wirkt sich auf die Bezahlung aus, da man in Teilzeit im durchschnitt weniger pro Stunde verdient.