30 Jahre nach der Wiedervereinigung hat die Hans-Böckler-Stiftung die Gleichstellung von Mann und Frau in der Arbeitswelt untersucht - Und dabei Ost und West verglichen. In der ehemaligen DDR arbeiteten viel mehr Frauen als im Westen. Dieser Unterschied macht sich bis heute bemerkbar.

Im Osten arbeiten nach wie vor mehr Frauen als im Westen. Und auch der Gender-Pay-Gap fällt wesentlich geringer aus, erklärt Aline Zuccho, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Referat Geschlechterforschung am Wirtschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung. Man könne durchaus sagen, dass die Gleichberechtigung im Osten fortgeschrittener ist. Im Schnitt verdienen Frauen dort 7 Prozent weniger als Männer. Zum Vergleich: Im Westen sind es 21 Prozent.

"Wir können sagen, dass der Gender-Pay-Gap in Ostdeutschland wesentlich geringer ist als in Westdeutschland."
Aline Zuccho, Genderforscherin, arbeitet für die Hans-Böckler-Stiftung

Aline Zuccho fügt allerdings hinzu, dass vor allem die westdeutschen Männer – im Vergleich zu allen anderen – viel mehr verdienen. Und das trage auch zu den Unterschieden bei. Männer in Westdeutschland haben deswegen höhere Löhne, so Aline Zuccho, weil dort viele in der Industrie arbeiten.

Auch bei der Kinderbetreuung liegt der Osten vorn

Die Studienautoren sehen eine Angleichung zwischen Ost und West, aber wenn sie etwa die Kinderbetreuung betrachten, dann ist Ostdeutschland seit Beginn der 90er Jahre viel weiter als Westdeutschland.

"Wir können beobachten, dass Frauen und Männer, sowohl im Osten als auch im Westen, nicht die gleichen Chancen auf Führungspositionen haben."
Aline Zuccho, Genderforscherin, arbeitet für die Hans-Böckler-Stiftung

Zumindest im Bereich der Führungspositionen machen sich leichte Verbesserungen bemerkbar, so die Genderforscherin. Acu wenn die Chancen auf einen Chefposten immr noch ungleich verteilt sind. Doch auf der zweiten Führungsebene – also eine Ebene unter der Chefspitze – seien inzwischen deutlich mehr Frauen mit dabei. "Insbesondere in Ostdeutschland sehen wir, dass Frauen und Männer gleichermaßen vertreten sind", sagt Aline Zuccho.