Frauen verdienen weniger als Männer, müssen aber zum Beispiel für Kosmetika mehr bezahlen. What!? Das klingt nicht so ganz fair. Wir haben uns das mal angesehen.

Wieder Ärger beim Friseur. Das kennt jeder: Frauen zahlen mehr als Männer. Aber auch für Kosmetik oder in der Reinigung wird der Preis oft vom Geschlecht mitbestimmt. Das Magazin Stern hat zusammen mit der Hamburger Verbraucherzentrale untersucht, wie sich Produkte unterscheiden – je nachdem, ob sie auf Frauen oder Männer ausgelegt sind. Ihr Ergebnis: Unterschiede gibt es reihenweise, berechtigt sind die nicht immer.

"Einen objektiven Grund gibt es nicht", sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg, warum Frauen-Kosmetika zwischen 20 und 70 Prozent mehr kosten. In ihrem Test hatte die Verbraucherzentrale allesamt Produkte mit der gleichen Zutatenliste und der gleichen Machart untersucht. Nur eben mit einer anderen Zielgruppe.

"Im Detail ist es natürlich schwierig das nachzuweisen. Allein eine rote Farbe statt einer blauen beim Rasierer reicht schon aus, um es rein rechtlich als unterschiedliches Produkt anzusehen."
Armin Valet, Verbraucherzentrale Hamburg

Rechtlich gesehen schwierig: Schließlich darf nach Anti-Diskriminierungsgesetz niemand wegen seines Geschlechts benachteiligt werden. Bei Dienstleistungen genauso wenig wie beim Lippenpflegestift. So hatte der Europäische Gerichtshof 2011 entschieden, dass Versicherungstarife nur noch unisex erlaubt sind. Schwierig ist allerdings auszumachen, wann ein Produkt denn jetzt wirklich identisch ist.

Kosmetikfaule Männer?

Das Argument des Einzelhandels: Zum einen seien Männer eher kosmetikfaul und müssten noch gezielter über Rabatt-Aktionen für Cremes & Co begeistert werden. Zum anderen: Angebot und Nachfrage würden eben den Preis regeln. Schaut man in die Drogerieregale, sieht es jedenfalls so aus, als sei im weiblichen Segment die Nachfrage ungleich größer. Und woran liegt das nun?

„Wir vermuten, dass die Hersteller und Händler hier schamlos ausnutzen, dass Frauen prinzipiell bereit sind, mehr Geld auszugeben, wenn es um Produkte zur Schönheit oder Kosmetik geht“
Armin Valet, Verbraucherzentrale Hamburg

Als Erklärung herhalten muss die historische Rolle der Frau in der Gesellschaft: Wacker hielt (und hält) sich nämlich die Vorstellung, die Frau sei "das schöne Geschlecht". Sagt auch Genderforscher Dirk Schulz: "Frauen wurden und werden teilweise immer noch eher dazua gehalten, dass sie der Menschenteil sind, der für Schönheit und Attraktivität steht." Richtig verlockend klingt der Ausweg aus dem Preisdilemma nicht, Männer damit hineinzuziehen. "Ich habe das Gefühl, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der es immer mehr darum geht, sexy zu sein, schön zu sein", sagt Dirk Schulz.

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