Liebe Leserinnen, liebe Userinnen, wir berichten hier über ein Fachbuch, das von den Autorinnen komplett feminin geschrieben wurde: Sie haben konsequent die weibliche Form genutzt.

Ein Gesetzestext in ausschließlich weiblicher Form geht nicht, findet das Innenministerium. Vorige Woche hat es einen Gesetzesentwurf gestoppt, der komplett weiblich formuliert war, also im generischen Femininum geschrieben war. Aus verfassungsrechtlichen Gründen.

Nun arbeiten Armin Stein und Katrin Bergener aber nicht für das Innenministerium. Also haben die beiden Autorinnen gemeinsam mit Nico Clever ein Lehrbuch über Wirtschaftsinformatik ausschließlich im Femininum geschrieben.

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Die Idee, das Buch in weiblicher Form zu schreiben, hatte Armin Stein. Er ist Wirtschaftsinformatiker an der Uni Münster und dort gab es ein Projekt, das für genderneutrale Sprache sensibilisieren sollte. Mit Erfolg offenbar: "Als wir dieses Buch geschrieben haben, merkten wir, dass es ein bisschen nervig wird, uns immer um diese genderneutrale Sprache zu kümmern."

Also beschlossen die Autorinnen, ausschließlich das generische Femininum zu nutzen.

"Lasst uns mal etwas ausprobieren: Schreiben wir das Buch komplett feminin."
Armin Stein, Wirtschaftsinformatiker an der Uni Münster

Grundsätzlich ist es das Ziel, Frauen für Mint-Fächer zu begeistern, also für: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Der Anteil von Studienanfängerinnen liegt dort seit Jahren bei nur circa 30 Prozent.

Weibliche Form spricht Frauen eher an

Ob das Buch von Stein und Bergener der richtige Weg ist, daran etwas zu ändern, wissen die Wissenschaftlerinnen nicht. "Aber wir wissen, dass sich Frauen bei Stellenanzeigen eher angesprochen fühlen, wenn durchgängig die weibliche Form benutzt wird", sagt Katrin Bergener, die auch in Münster forscht. "Das haben wir versucht auf unser Buch zu übertragen, um auch Studentinnen besser anzusprechen."

"Grundsätzlich haben wir keine Rückmeldung bekommen, dass die weibliche Form vom Inhalt ablenken würde."
Katrin Bergener, Wirtschaftsinformatikerin an der Uni Münster

Wie ihr Stil ankommt, können die beiden nicht einschätzen. Es gab kaum Feedback zum Stil des Buches. Lediglich eine Professorin freute sich darüber, dass mal ein anderer Weg eingeschlagen worden sei, sagt Katrin Bergener: "Grundsätzlich haben wir keine Rückmeldung bekommen, dass die weibliche Form vom Inhalt ablenken würde."

Armin Stein ist zuversichtlich, dass sich das generische Femininum normalisiere, vor allem bei jüngeren Menschen, an die sich das Buch "Wissenschaftliches Arbeiten im Wirtschaftsinformatik-Studium" richte: "Für die ist das normaler und kein Problem."