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Gerechtigkeit – das fordern die Verwandten des verstorbenen George Floyd vor dem Gericht in Minneapolis. Fast ein Jahr nach dem Tod des Afroamerikaners, steht nun Ex-Polizist Derek Chauvin vor Gericht. Die Anklage wirft ihm vorsätzlichen Mord vor, die Verteidigung plädiert hingegen auf einen Unfall. Das Urteil fällt am Ende aber nicht die Richterin – sondern nur die 12 Geschworenen.

War es ein Unfall während eines Polizeieinsatzes oder war es Mord – das ist die große Frage im Prozess gegen Ex-Polizist Derek Chauvin. Dem Prozess waren viele Monate mit Protesten vorausgegangen und mit Spannung wurde nun der Prozessauftakt erwartet – doch es blieb friedlich.

Eingangsstatements und erste Zeugin gehört

Arthur Landwehr ist ARD-Korrespondent und begleitet den Prozess vor Ort. Am ersten Prozesstag wurden die Eingangsstatements der Staatsanwaltschaft und der Verteidiger vorgetragen und bereits die erste Zeugin gehört. Es ist eine junge Frau, die während des Polizeieinsatzes am 25. Mai 2020 die wesentliche Kommunikation mit den Polizeikräften und den Krankenwägen führte.

"Alles was im Prozess passiert, richtet sich an die Geschworenen. Sie entscheiden am Ende über das Urteil."
Arthur Landwehr, ARD-Korrespondent für die USA

Während in Deutschland die Richterin oder der Richter das Urteil zu fällen hat, so kommt in Strafprozessen in den USA diese Rolle der Geschworenen-Jury zu. 15 Geschworene wurden ausgewählt und 12 von ihnen werden am Ende über das Urteil gegen Derek Chauvin entscheiden, so Arthur Landwehr.

Unfall oder Mord

Sowohl Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung des Ex-Polizisten müssen demnach die Geschworenen überzeugen. Während die Staatsanwaltschaft argumentiert, dass die Vorfälle des Polizeieinsatzes weit über das hinausgingen, was legal ist, meinen die Verteidiger, es habe sich um einen Unfall gehandelt.

Denn bei der Obduktion von George Floyd wurde das Opioid Fentanyl festgestellt – der Körper könne dadurch geschwächt gewesen sein, so die Verteidigung. Darum habe Derek Chauvin nur einen Teil der Schuld an dessen Tod.

"Die Staatsanwaltschaft will nachweisen, dass es sich um Totschlag handelt – und zwar, dass Derek Chauvin nicht nur zu viel Gewalt angewandt hat, sondern dies ganz bewusst getan hat."
Arthur Landwehr, ARD-Korrespondent für die USA

Sollte die Staatsanwaltschaft Recht bekommen und Derek Chauvin des Totschlags für schuldig erklären, dann drohen dem Ex-Polizisten bis zu 40 Jahre Gefängnis, erklärt Arthur Landwehr. Es gibt auch noch zwei andere Klagen, dabei können die Gefängnisstrafen sich auf zehn oder auf 25 Jahre belaufen.

Friedliche Demonstrationen

Im Vorfeld wurden in der Stadt strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Doch die Stimmung ist ruhig, so der Korrespondent. Die Ruhe sei allerdings gespannt. Es habe in den Tagen vor Beginn des Prozesses noch weitere Demonstrationen gegeben, doch auch die seien friedlich verlaufen.

Am Morgen des Prozesstags hat die Familie von George Floyd außerdem eine Gedenkfeier zu Ehren des Verstorbenen neben dem Gerichtsgebäude gegeben. Sie fordern vor allem Gerechtigkeit – und hoffen auf eine Verurteilung von Derek Chauvin.