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Terroranschläge, Kriege oder auch die Corona-Pandemie – immer wieder werden wir mit Ereignissen konfrontiert, die unsere Ängste schüren. Diese Ängste können das Gedächtnis einer ganzen Gesellschaft prägen. "German Angst" zum Beispiel ist ein Begriff, der ein besonderes Verhältnis der Deutschen zu Sorge und Angst beschreibt. Ein Resümee des Historikers Frank Biess.

Frank Biess beschäftigt sich vor allem mit den Ängsten der westdeutschen Bevölkerung in den Nachkriegsjahren. Damit betritt der Forscher Neuland, denn in der Regel wird die Zeit des Wirtschaftsaufschwungs rückblickend als Erfolgsgeschichte beschrieben. Die Zeitgenossen von damals waren jedoch voller Befürchtungen, obwohl genau diese in der Folge nicht eingetreten sind, sagt der Historiker.

"Wie Hypochonder befürchteten die Deutschen oft das Schlimmste – nur um dann festzustellen, dass die Wirklichkeit weniger schlimm war."
Frank Biess, Historiker

Frank Biess stellt aber auch fest: Es waren gerade die Angstfantasien, die unsere westdeutsche Gesellschaft in die Lage versetzten, auf Krisen und Herausforderungen besser zu reagieren. Angst ist per Definition ein Gefühl, das in die Zukunft gerichtet ist, aber durch Erinnerungen an die Vergangenheit genährt wird. Laut Biess resultierte sie bei den Westdeutschen aus den Kriegserlebnissen mit Faschismus und Holocaust.

Der Historiker Frank Biess forscht und lehrt Europäische Geschichte an der University of San Diego. Einer seiner Schwerpunkte ist die Entwicklung der kollektiven deutschen Angst ab 1945. Seine Beobachtungen und Analysen hat er in seinem Buch "Republik der Angst. Eine andere Geschichte der Bundesrepublik" zusammengefasst. Unter demselben Titel sprach er vor dem Sonderforschungsbereich "Bedrohte Ordnungen" der Universität Tübingen am 22. Juli 2021.