1721 segelt der protestantische Pastor Hans Egede von Dänemark nach Grönland. Er will den Menschen das Christentum bringen. Egede nimmt seine Familie sowie 25 Männer und Frauen mit. Die Enttäuschung vor Ort ist groß: Denn Wikinger gibt es dort nicht.
Es ist ein menschenfeindlicher Haufen Eis und Schnee, der den norwegischen Missionar Hans Egede im Sommer 1721 empfängt.
Der protestantische Pastor war Auftrag des dänischen Königs Friedrich IV. nach Grönland gesegelt, um dort nicht nur eine Kolonie zu gründen, sondern die dort lebenden Menschen zum christlichen Glauben zu bekehren.
Hans Egede will das Christentum exportieren
Hans Egede hatte seine Familie mitgenommen sowie 25 Männer und Frauen, die ebenso abenteuerlich-lustig sind wie er und den Wunsch teilen, auf Grönland eine christliche Zivilisation aufzubauen.
Der erste Eindruck der Insel ist "elendig", so notiert es später Hans Egede. Die Insel ist komplett mit Schnee bedeckt. Vor den Ufern treiben bedrohliche Eisberge, die das Segeln erschweren und die Expedition noch gefährlicher machen, als sie es ohnehin ist.
Die Missionare treffen auf Inuit statt Wikinger
Als die Crew schließlich einen eisfreien Küstenstreifen findet, an dem das Segelboot festmachen kann, kommen ihr einige Grönländer in kleinen Booten entgegen.
Die erste Begegnung ist für Hans Egede ernüchternd. Er muss feststellen, dass die Menschen keine Nachfahren der Wikinger sind, die vor einigen hundert Jahren auf Grönland gesiedelt hatten, sondern sie sind Inuit.
Die Inuit waren ab dem 11. Jahrhundert über Kanada und Alaska nach Grönland gekommen. Sie hatten sich dort sowie im übrigen nördlichen Polargebiet niedergelassen. Etwa ab 1450 lebten keine Wikinger mehr in Grönland – und die Inuit hatten das Land wieder für sich.
Mit den Inuit kam die Thule-Kultur nach Grönland, die keine spezifische Religion, dafür aber eine Vielzahl unterschiedlicher Traditionen kennt. Diese Traditionen unterscheiden sich teils von Region zu Region. Feste Glaubensüberzeugungen gab es in der Kultur der Inuit nicht.
Ihr hört außerdem in Eine Stunde History:
- Der Kieler Historiker Florian Jungmann erläutert das historische Verhältnis Dänemarks zu Grönland.
- Joanna Kodzik vom Malaurie Institute of Arctic Research beschreibt das Wirken der Herrnhuter Brüdergemeine auf Grönland.
- Die ARD-Korrespondentin Jana Sinram beobachtet den aktuellen Streit um die Zugehörigkeit Grönlands zu Dänemark und den Versuch der USA, die Insel zu annektieren.
- Der Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld blickt zurück auf die Anfänge der Besiedelung Grönlands.
- Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Wiebke Lehnhoff schildert den Versuch Hans Egedes, die Insel zu christianisieren.
