1939 sticht in Kolumbien ein Postschiff in See. An Bord ein Koffer voller Schmetterlinge, verpackt in selbstgefaltete Tütchen und leere Zigarrendosen. Gesammelt hat diese Schmetterlinge der Naturforscher Arnold Schultze. Der Koffer kommt im Herbst 1939 in Berlin an. Da ist der 2. Weltkrieg schon ausgebrochen. Arnold Schultze, der den Koffer gepackt, will dem Koffer eigentlich hinterherreisen. Doch er wird nie mehr in Deutschland ankommen.

Arnold Schultze, war deutscher Offizier, Geograph und Schmetterlingsforscher. 1913 veröffentlichte er eine Monographie zum Seidenspinner. 1939 hat er einen Koffer von Kolumbien nach Berlin geschickt. Seine weitere Sammlung von Herbarien und er selbst kamen nach Kriegsausbruch nicht mehr zurück nach Berlin. Arnold Schultze starb 1948 auf Madeira. Zunächst endete seine Reise 1939 in französischer Gefangenschaft in Westafrika. Seine Sammlung wurde mit dem Schiff von der britischen Marine versenkt.

In Schultzes Reisekoffer lagen für Jahrzehnte etwa 18.000 Schmetterlinge. Der Koffer hat den Krieg und auch Arnold Schultze überlebt – im Museum für Naturkunde in Berlin. Im Jahr 2006 wurde der Koffer zum ersten Mal ausgewertet. Mitentdeckt hat ihn der Übersetzer und Schauspieler Hanns Zischler. Er hat mit der Illustratorin Hanna Zeckau zusammen im Jahr 2011 das Buch "Der Schmetterlingskoffer" veröffentlicht. Für Hanns Zischler enthält das Gepäckstück von Schultze mehrere Zeitkapseln. Das staubige Objekt erzählt auf mehreren Ebenen eine eigene Geschichte.

Zigarrenkisten voller Schmetterlinge

Hanns Zischler entdeckte ihn bei einem seiner Streifzüge für ein weiteres Buchprojekt, geöffnet in einer Ausstellung des Museums. Der große Reisekoffer war bis obenhin angefüllt mit Zigarrenkisten – darin zahllose neotropische Schmetterlinge in Sterbehaltung, also mit gefalteten Flügeln.

Hanns Zischler wollte auch ergründen, wie es dazu kommt, dass dieser Koffer des bedeutenden Schmetterlingsforschers Arnold Schultze so vergleichsweise unbeachtet bleibt. Das sei eben auch durch die Abwesenheit des Forschers erklärbar.

Arnold Schultze hat auf der ganzen Welt gearbeitet und geforscht: im Kongo, auf den Kanaren, in Ecuador und Peru. Hanns Zischler kennt die Stationen Schultzes bis ins Detail und hebt dessen exakte Beobachtungs- und Beschreibungsfähigkeiten hervor. Ihren Anfang nahm Schultzes Leidenschaft für Schmetterlinge bereits in der Jugend. Die frühestens Berichte des gebürtigen Kölners über Schmetterlinge stammen aus dem Rheinland – genauer aus Koblenz.