Mit neun Jahren beschließt Nana: Ich will in Deutschland leben. Er kommt zu einer Pflegefamilie, zu den Enseroths. Dort lernt er das Mädchen kennen, das seine große Schwester werden wird: Ina.

Familienfotos bei den Enseroths sind spannend: Da sind zwei Jungs mit arabischen Gesichtszügen drauf, ein Pärchen aus Fernost und ein breit in die Kamera lachender Afrikaner mit beeindruckenden Locken auf dem Kopf. Das ist Nana. "Das ist meine Familie", sagt Ina, wenn sie das Foto herumzeigt. Und Nana ist ihr Bruder.

"Ina ist dünn, weiß, blond. Ich bin dick, schwarz, breit. Wir könnten gar nicht unterschiedlicher sein, optisch. Wir sind aber eigentlich irgendwo auch das gleiche Herz."
Nana über seine Schwester Ina

Nana ist in Kiel geboren. Als sein Vater, ein angehender Arzt aus Ghana stirbt, muss er zurück nach Afrika. Dort lebt er ein paar Jahre, wird aber nie wirklich glücklich. "In Deutschland hat man überall Spielplätze aufgebaut", erinnert sich Nana. "Das gibt’s in Ghana nicht. Das gibt es auch heute noch in Ghana nicht." Als Schüler zieht er in Inas altes Zimmer.

Nana weckt den Beschützerinstinkt in Ina

Er wird Inas kleiner Bruder. Sie erzählt gern die Geschichte, wie Nana mittags nach Hause kommt, in irgendeiner seltsamen Sprache irgendwas erzählt - und dann schaut er hoch und sieht nur lauter verständnislose Gesichter. Dann kullern diesem neunjährigen kleinen Jungen die Tränen über die Wangen. Aber Nana lernt Deutsch, lebt sich ein und findet Freunde. Ungefähr zwei Jahre geht das so.

Nana trägt seine Schwester Ina auf dem Arm.
© Insa Enseroth
Ina hat Nana gerne so vorgestellt: "Das ist mein kleiner Bruder." Auch wenn er weder nach "klein" noch nach "Bruder" aussieht.

Am Telefon meldet Nana sich inzwischen mit "Hier Enseroth, wer ist da bitte?". Ein Alarmsignal für Nanas Mutter. Sie befürchtet, er könnte in einer deutschen Familie seine afrikanischen Wurzeln verlieren - der Junge aus Ghana muss nach England in ein Internat, das von polnischen Geistlichen geführt wird. Schläge gibt es oft. Nana beschließt: Er muss sich selbst helfen, wenn er wieder zu Ina und seinen Pflegeeltern möchte.