Beim Treffen von Kim Jong Un und Donald Trump ging es um Sicherheit und das Atomwaffenprogramm – zumindest auf dem Papier, das die beiden unterschrieben haben. Wie emotional aufgeladen das Treffen war, zeigen nervöse und euphorische Gesten der beiden Männer.

Das Treffen von US-Präsident Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un in Singapur war ein historischer Moment. Trump hat die ganze Zeit betont, wie großartig, fantastisch und unglaublich gut die Begegnung sei: "Es ist besser gelaufen, als irgendjemand hätte erwarten können. Spitzenklasse", sagte Trump im Anschluss des Gesprächs. Kim Jong Un hat sich verbal etwas verhaltener ausgedrückt. 

"Wir haben beschlossen, die Vergangenheit hinter uns zu lassen."
Kim nach der Unterzeichnung der Vereinbarung

Wir wollten vom Mimik- und Gestik-Experten Dirk Eilert wissen, was die Körpersprache der beiden Männer über den wahren Verlauf der Begegnung verrät.

Sanft und dominant

Schon die Begrüßung war spannend, sagt Dirk Eilert. Trump habe nicht seinen üblichen sehr dominanten Handschlag gezeigt, kein Tätscheln und an der Hand reißen, wie er es sonst macht. Stattdessen hat Trump beim Handschlag mit Kim Jong sanft dessen Schultern berührt, eher eine Annäherungsgeste also.

"Ich habe wirklich viel Freude in den Gesichtern von Trump und Kim Jong Un gesehen, wo wirklich die Augen mitgelacht haben: ein Zeichen für ehrliche Freude und Offenheit."
Dirk Eilert, Experte für Mimik und Gestik
Kim Jong Un und Donald Trump lachen für die Kameras
© imago | Xinhua
So sieht wahre Freude aus - meint Mimikexperte Dirk Eilert: Kim und Trump im Austausch.

Wenn man berücksichtigt, dass in der asiatischen Kultur Emotionen nicht so frei und intensiv ausdgedrückt werden wie in den USA, dann war das, was Kim Jong Un gezeigt hat, schon viel. 

Ein Handschlag für die Geschichtsbücher

Spannend findet Dirk Eilert den Unterschied zwischen dem Handschlag zur Begrüßung und dem zum Schluss. Da habe es einen deutlichen Gegensatz gegeben. Zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der gemeinsamen Vereinbarung hat Kim Jong Un starke Stress-Signale gezeigt. 

"Kim hat seine Brille immer wieder zurecht gerückt, hat den Stift auf dem Tisch mehrmals berührt. Er wirkte etwas nervös."
Dirk Eilert, Experte für Mimik und Gestik

Trumps Handschlag nach der Unterzeichnung war wesentlich dominanter, er habe richtig an Kims Hand gezogen. Auch als die beiden rausgingen, sah es ein bisschen nach einem abschließenden Dominanz-Wettkampf aus: Kim Jong Un berührte Trump beim Herausgehen am Rücken, schob ihn leicht. Danach machte Trump die gleiche Geste.

Kim schiebt Trump an
© imago | Xinhua
Dominanz-Gesten: Zuerst schob Kim, danach schob Trump.
"Auch bei der finalen Verabschiedung wieder Trumps Handschlag mit wesentlich mehr Dominanzgesten, er reißt geradezu an Kims Hand."
Dirk Eilert, Experte für Mimik und Gestik

Für den Gestik-Experten weisen diese Signale darauf hin, dass das Gespräch ein Ringen mit Zugeständnissen war – vor allem auf der Seite von Kim Jong Un. Trump erschien zum Schluss wieder super selbstbewusst und Kim leicht gestresst.

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