Zurzeit sprießt überall der Bärlauch. Lecker! Aber Halt, da war doch was? Bärlauch wächst am Boden. Und am Boden lauert der Fuchsbandwurm. Und der ist doch gefährlich! … heißt es jedenfalls. Was ist da wirklich dran? Und wie beugen wir vor?
Gleich zu Anfang: Ja, es gibt in Europa einen steigenden Trend zu Fuchsbandwurm-Infektionen. Aber: Die Zahl liegt auf sehr niedrigem Niveau, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Tobi Blum. Pro Jahr erkranken an dem Parasiten nur 50 neue Menschen – wobei die Zahlen auch etwas hinterherhinken können, weil es oft Jahre dauert, bis so eine Infektion bemerkt wird.
Wie eine Fuchsbandwurm-Infektion abläuft
Denn: Man infiziert sich über die Eier, aus denen zunächst Larven schlüpfen müssen. Die wandern dann im Körper in verschiedene Organe – vor allem in die Leber, aber auch ins Herz oder in die Lunge. Teilweise dauert es Jahre, bis sich Symptome wie Müdigkeit, Übelkeit, Gewichtsverlust oder Bauchschmerzen bemerkbar machen.
Weil diese Symptome auch viele andere Ursachen haben können und man dabei kaum daran denkt, dass man vor Jahren vielleicht mal ungewaschenen Bärlauch oder anderes gegessen hat, ist es schwierig, einen Fuchsbandwurm schnell und eindeutig zu diagnostizieren.
Unbehandelter Fuchsbandwurm kann tödlich sein
Ist dann wirklich eine Diagnose da, gibt es aber Behandlungsmöglichkeiten wie Medikamente, manchmal auch OPs oder Chemotherapie. In der Regel muss so eine Infektion aber lebenslang behandelt oder kontrolliert werden. Und unbehandelt kann sie unter Umständen tödlich enden.
Infektionen sind aber wie gesagt sehr selten. Und unser Reporter Tobi ergänzt: "Es gibt bisher tatsächlich noch nicht mal einen wissenschaftlich eindeutigen Beleg dafür, dass dein Infektionsrisiko steigt, wenn du Beeren, Pilze oder Kräuter sammelst."
Fuchsbandwurm tritt regional unterschiedlich auf
Außerdem: Nicht überall in Deutschland ist die Fuchsbandwurm-Gefahr gleich hoch, erklärt er. Hotspots gibt es in Süddeutschland, vor allem im Allgäu und in Schwaben. Andernorts sind gar nicht so viele Füchse mit dem Parasiten infiziert, sagt Tobi.
"In anderen Regionen ist das Risiko deutlich niedriger, weil gar nicht so viele Füchse mit dem Parasiten infiziert sind.“
Das heißt aber nicht, dass man in Bayern und Baden-Württemberg gar nichts sammeln darf. Egal wo sollten wir uns einfach an ein paar Regeln halten. Der Fuchsbandwurm wird über winzige, nicht sichtbare Eier übertragen. Deshalb gilt:
- zu Hause gründlich die Hände waschen
- auch das Gesammelte gründlich waschen und dann mehrere Minuten bei über 60 Gard erhitzen
"Wenn Du ein paar Sachen beachtest, kannst Du eigentlich überall sammeln."
Zugegeben: Kochen eignet sich natürlich nicht für alles Selbstgesammelte. Bei Brombeeren für die Marmelade etwa geht das, bei Bärlauch für den Salat weniger. Aber zumindest müsst ihr so nicht komplett verzichten, wenn euch das Risiko noch immer zu hoch ist.
