Eine ganze Branche an medizinischen Fachblättern beschäftigt sich mit den Neuheiten der Pharmakonzerne. Anzeigenfinanziert oder nicht ist dabei ein wesentlicher Unterschied, weiß Norbert Donner-Banzhoff. In einer Studie hat er gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam untersucht, wie unabhängig medizinische Fachzeitschriften berichten.

Eigene Forschungsergebnisse veröffentlichen Mediziner erstmal selbst in einer Fachzeitschrift. In der Regel sind das englischsprachige, internationale Journale, in denen die methodischen Forschungsaspekte im Vordergrund stehen. Viele deutsche Ärzte lesen diese Originalpublikationen allerdings nicht. Das liege an der Sprachbarriere, an der methodischen Finesse, aber auch ganz einfach an der Menge der Neuheiten, sagt Norbert Donner-Banzhoff. "Man kann nicht der Vielzahl der Erkenntnisse mit der Originalpublikation auf der Spur bleiben."

Ärzte lesen Originalpublikationen nicht

Für die Großzahl der Ärzte muss die Botschaft aufgearbeitet werde. Durchdachte und gut aufgemachte Fortbildungszeitschriften haben deshalb eine wesentliche Funktion. Ihre Einschätzungen bestimmen mit, wie Ärzte ihre Patienten behandeln. Umso wichtiger ist es, dass die Redakteure Medizinprodukte frei bewerten dürfen. Laut Studie bieten anzeigenfinanzierte Zeitschriften ihren Lesern nur positive Kommentare über aktuell vermarktete Medikamente.

"Durch die finanzielle Abhängigkeit der Anzeigenblätter, muss der Werbechef einer Pharmafirma nicht erst wütend anrufen."
Norbert Donner-Banzhoff ist Mediziner und Professor an der Philipps-Universität Marburg

Bei den anzeigenfinanzierten Blättern, wissen die Autoren wie der Hase läuft, so Norbert Donner-Banzhoff. Durch die finanzielle Abhängigkeit steht dann auch die medikamentöse Behandlung im Vordergrund. Alternativen wie Rauchentwöhnung, mehr Sport oder Ernährungsumstellung werden nicht empfohlen.

"Anzeigenfinanzierte Zeitschriften bieten ihren Lesern nur positive Kommentare über aktuell vermarktete Medikamente."
Norbert Donner-Banzhoff ist Mediziner und Professor an der Philipps-Universität Marburg

In unabhängigen Redaktionen dagegen kann man sich Originalbefunde auch kritisch ansehen und zu dem Ergebnis kommen: "Nein, das ist keine sinnvolle Neuerung, die wir brauchen." Laut der Studie äußern sich unabhängige Redaktionen übrigens gar nicht selten negativ über die Pharmaneuheiten. Obwohl vielen Ärzten diese Zusammenhänge bestimmt klar sind, zeigt der ständige Informationsbeschuss der pharmazeutischen Industrie dann doch seine Wirkung, so Norbert Donner-Banzhoff.