• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Kerstin Strebe ist Intensivpflegerin. Nebenher leistet sie ehrenamtlich psychosoziale Unterstützung für Kolleginnen und Kollegen, die einfach nicht mehr können. Die Geschichten, die sie dabei hört, zeigen: Die Corona-Pandemie bringt Beschäftigte im Gesundheitswesen immer weiter an ihre Grenzen. Zeit, mal zu regenerieren, bleibt kaum.

Dieses Gespräch ist Kerstin Strebe ziemlich in Erinnerung geblieben: Während der ersten Corona-Welle bekommt die 38-Jährige einen Anruf über die Notfallrufnummer. Am anderen Ende: ein Intensivpfleger aus einer anderen Klinik. Er hatte den zwölften Dienst in Folge hinter sich gebracht, war am Limit, mit der permanenten Angst, sich selbst oder seine Familie zu Hause mit Corona anzustecken. Im Dienst läuft dann etwas schief - seine Schutzausrüstung liegt nicht mehr da, wo er sie abgelegt hatte - und er kann einfach nicht mehr.

"Da ist er einfach zusammengebrochen auf Station - vor allen, was ihm unglaublich peinlich gewesen ist."
Kerstin Strebe über einen Anrufer bei der Helpline, für die sie ehrenamtlich arbeitet

Wenn Kerstin Strebe solche Geschichten hört, weiß sie, wovon die Anruferinnen und Anrufer sprechen. Sie ist selbst Intensivpflegerin, aktuell in Teilzeit, und kennt den psychischen und physischen Druck, der dort herrscht.

"Die komplette Schutzausrüstung, die man während Corona anhat: Man schwitzt darunter, das kann man sich nicht vorstellen."
Kerstin Strebe, Intensivpflegerin

Sechs bis acht Stunden nicht auf Toilette zu gehen, weil einfach die Zeit oder Gelegenheit fehlt - ebenfalls keine Seltenheit, sagt Kerstin Strebe.

Die Frustration steigt

Sie arbeitet ehrenamtlich bei PSU Akut, einem Münchner Verein, der psychosoziale Unterstützung für Beschäftigte im Gesundheitswesen anbietet. Seit der Corona-Pandemie gibt es außerdem eine Helpline, bei der Pflegekräfte, Ärztinnen oder Rettungssanitäter und -sanitäterinnen anrufen können, wenn sie sich überlastet fühlen, traumatische Erfahrungen gemacht haben oder dringend jemanden zum Reden brauchen.

Neben ihren eigenen Erfahrungen, die sie macht, bekommt sie also einen ziemlich umfassenden Einblick, wie es in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen im Moment läuft. "Man merkt, dass die Frustration groß ist", sagt die 38-Jährige.

"Eine Coronawelle hat die andere gejagt, und so richtig durchatmen konnten die Pflegekräfte überhaupt nicht."
Kerstin Strebe, Intensivpflegerin

Zwar ist die Lage im Gesundheitswesen seit Jahren angespannt, aber Kerstin Strebe glaubt: "Corona hat alles auf jeden Fall verstärkt". Viele Pflegekräfte spielen mit dem Gedanken, den Beruf zu wechseln, sagt sie. Denn Hoffnung, dass die Arbeitsbelastung sinkt und sich etwas zum Positiven verändert, ist ziemlich begrenzt.

"Viele Leute stellen den ganzen Sinn infrage und überlegen sich: Warum werden wir so verheizt?"
Kerstin Strebe, Intensivpflegerin

Warum Kerstin trotzdem weitermacht, wie sie mit den Geschichten umgeht, die sie hört und wie Pflegekräfte auf den kommenden Herbst/Winter blicken, hört ihr im Deep Talk mit Rahel Klein.