• Abonnieren
  • Spotify
  • iTunes
  • Google

Pornhub verdiene mit dem Leid anderer sehr viel Geld. Diesem schwerwiegenden Vorwurf sieht sich die Porno-Plattform ausgesetzt. Um dem entgegenzuwirken, können Inhalte künftig nicht mehr anonym hochgeladen werden. Nutzende werden zur Identifikation durch Drittanbieter verpflichtet.

Die Plattform Pornhub kam in den letzten Monaten nicht aus den – negativen – Schlagzeilen. Der Vorwurf: Auf der Porno-Plattform fänden sich immer wieder Darstellungen von Gewalt, Vergewaltigungen, Revenge-Porn oder Videos, die aus Kindesmissbrauchsfällen stammen. Eine umfangreiche Recherche des New York Times Magazine hatte der Sex-Plattform vorgeworfen, mit dem Leid anderer Millionen Dollar zu verdienen. Der Image-Schaden für Pornhub war immens, Visa und Mastercard hatten ihre Zusammenarbeit mit dem Netzwerk beendet.

Problem: Nichtverifizierte User

Pornhub will allem Anschein nach sein Image verbessern und hat angekündigt, die Inhalte auf der Plattform besser zu kontrollieren, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin Martina Schulte. Als Folge der New-York-Times-Recherche hatte Pornhub über zehn Millionen Videos entfernt – alles Inhalte, die von nichtverifizierten Usern stammten. Außerdem wurde die Funktion, neue Videos hochzuladen, ausgesetzt.

Der Upload für neue Nutzer ist inzwischen zwar wieder möglich – allerdings geht das nicht mehr anonym: User, die Inhalte hochladen wollen, müssen sich ab sofort verifizieren. Das macht Pornhub aber nicht selbst. Wie der Standard berichtet, greift das Unternehmen dafür auf einen Drittanbieter zurück: das Londoner Unternehmen Yoti.

Identifizierung über Drittanbieter

Wie die NYT schreibt, müssen Userinnen und User, die ein Video hochladen wollen, jetzt ein aktuelles Foto von sich mitschicken, außerdem den Scan eines amtlichen Ausweises (Personalausweis, Führerschein oder Reisepass) sowie ein Video oder eine Sprachaufnahme von sich. Die Firma Yoti überprüft dann, ob es sich dabei um echte Dokumente handelt. Die persönlichen Informationen werden dabei den Angaben zufolge nicht an Pornhub weitergeleitet.

"Die Firma Yoti überprüft, ob die eingereichten Dokumente echt sind. Die persönlichen Informationen werden dabei nicht an Pornhub weitergeleitet."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Jede und jeder konnte bisher bei Pornhub – auch gegen den Willen der gezeigten Personen – Material hochladen. Diese unter Umständen schwer persönlichkeitsverletzenden Darstellungen sind dann von Betroffenen so gut wie nicht mehr aus dem Netz zu tilgen. Betroffene hatten immer wieder berichtet, dass Pornhub entsprechendes Material zu zögerlich von der Plattform genommen hatte. Und selbst wenn das schließlich gelang, seien oft neue Kopien in Umlauf gekommen.

Der Identitätsnachweis ist jetzt ein Schritt beim Versuch, diese Praktiken zu stoppen. Denn wenn die User nicht mehr anonym sind, können sie im Zweifelsfall auch zur Rechenschaft gezogen werden.

KI soll Kindesmissbrauch aufspüren

Darüber hinaus hat Pornhub weitere Maßnahmen angekündigt. Zum einen will sich die Plattform von einer KI-Lösung helfen lassen: Eine Software von Google und Microsoft soll eingesetzt werden, deren Algorithmen Videos, die Kindesmissbrauch zeigen, finden und entfernen können. Ähnliche Algorithmen sind bei Youtube im Einsatz.

"Die Videos können jetzt nicht mehr von der Pornhub-Seite heruntergeladen werden."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Außerdem will Pornhub mehr dafür tun, dass bereits beanstandetes Material nicht einfach von anderen Usern wieder hochgeladen werden kann. Um das zu verhindern, können die Videos jetzt nicht mehr von der Pornhub-Seite heruntergeladen werden.

Und: Die Moderation der Inhalte soll ausgeweitet werden. Das eigene Moderatoren-Team soll Verstöße proaktiver überprüfen und nicht nur darauf warten, dass Nutzer etwas melden.

Proaktivere Moderation und "Trusted Flaggers"

Zudem soll es bei Pornhub künftig sogenannte "Trusted Flaggers" geben: freiwillige Moderatorinnen und Moderatoren, die vorab nominiert werden. Sie kommen zum Beispiel von Non-Profit-Gruppen wie dem "National Center for Missing and Exploited Children". Allein im Bereich Kindesmissbrauch hat Pornhub laut Techblog engadget 40 verschiedene Organisation als Trusted Flaggers zugelassen. Wenn diese Organisationen ein Video beanstanden, ist dieses künftig sofort gesperrt. Die Sperre wird dann später noch mal von den hauseigenen Pornhub-Moderierenden überprüft.

Die eingeleiteten Maßnahmen seien sicher ein Schritt in die richtige Richtung, findet unsere Netzreporterin. Allerdings könnten auch sie nicht hundertprozentig dafür sorgen, das entsprechendes Material nie mehr auf der Pornoplattform auftaucht. Bei der Pornhub-Mutterfirma Mindgeek werden nach Angaben der NZZ nämlich 15 Terabyte an Filmen hochgeladen – pro Tag. Das ist eine gigantische Masse. Wie wirksam die neuen Maßnahmen angesichts dieser Menge sein können, bleibe abzuwarten.