Menschen, die keine äußeren Verletzungen haben, sondern offenbar keine Luft mehr bekamen und erstickten: Für die Weltgesundheitsorganisation ist klar, dass bei dem mutmaßlichen Luftangriff auf die syrische Stadt Chan Scheichun Giftgas eingesetzt wurde.

Ralf Trapp ist Toxikologe und berät die Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW). Er sagt, man kann auf den Bildern und Videos klar erkennen, dass die Menschen in Chan Scheichun von einer Vergiftung durch Nervengas betroffen sind. Um herauszufinden, um welches Giftgas genau es sich handelt, benötigt man Blutproben.

"Die Symptome deuten auf ein Nervengas hin: Verkleinerung der Pupille, Krampfzustände, Schwierigkeiten bei der Atmung bis hin zum Atemstillstand."
Ralf Trapp, Toxikologe

Das Giftgas Sarin zum Beispiel kann man im Blut noch wochenlang nachweisen. Die OPCW hat eine Untersuchung begonnen. Mit Befragungen der Anschlagsopfer und Untersuchungen von Gewebe- und Blutproben will die Organisation der Substanz auf die Spur kommen.

"Etliche Opfer sind in die Türkei gebracht worden, man hat also Zugriff und könnte jetzt genau nachweisen, welche Substanz tatsächlich eingesetzt worden ist."
Ralf Trapp, Toxikologe

Die OPCW in Den Haag sendet regelmäßig Inspektoren in die Länder, die das Chemiewaffen-Übereinkommen unterzeichnet haben. Diese Routine-Kontrollen basieren auf Meldungen der Staaten. Es gibt aber auch besonders für Syrien Verfahren, bei denen Verdachtsfälle untersucht werden. 

Der syrische Machthaber Bashar al-Assad hat schon im September 2013, also vor dreieinhalb Jahren, zugesagt, dass alle Chemiewaffen in Syrien zerstört werden. Er hat seine Bestände deklariert und diese sind auch mit Sicherheit außer Landes gebracht und vernichtet worden. 

"Aber wir wissen nicht, ob Assad wirklich alle seine Giftgas-Bestände deklariert hat. Und es könnte auch sein, dass das Regime versucht hat, neue Kampfstoffe herzustellen."
Ralf Trapp, Toxikologe

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