Gebetsapps können muslimischen Gläubigen eine Hilfe sein. Viele App-Anbieter missachten aber den Datenschutz - und machen mit den sensiblen Daten, die sie erheben, ein Geschäft.

Neun von dreizehn getesteten muslimischen Gebets-Apps verkaufen Daten an Dritte. Das hat die Seite mobilsicher.de ermittelt. Weil die Gebetszeiten gläubiger Musliminnen und Muslime von der Sonne und somit von ihrem Standort abhängig sind, benötigen die Apps grundsätzlich die Standort-Daten der User. Das Problem: Diese Daten können mit ein bisschen Aufwand eindeutig Personen zugeordnet werden.

"Es geht vor allem um Standortdaten der Gläubigen. Diese Abfrage ist grundsätzlich nachvollziehbar, weil die Gebetszeiten im Islam mit dem Stand der Sonne zusammenhängen."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Diese Daten lassen sich also de-anonymisieren, kennzeichnen dann also einen bestimmten Menschen.

Die Gruppe der Gebets-Apps ist insofern speziell, weil sie indirekt auch über die religiöse Überzeugung der Nutzerinnen und Nutzer Auskunft gegeben. Diese Daten stehen in Deutschland unter besonderem staatlichem Schutz.

Die Apps ermöglichen es also indirekt, Auskunft darüber zu geben, wer die Apps nutzt - was in diesem Fall in der Regel bedeutet: Wer muslimischen Glaubens ist.

"Insofern gehen die Testenden davon aus, dass die beanstandeten Apps auch gegen Datenschutzvorschriften in Deutschland verstoßen."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Mit Ausnahme des Verbands Islamischer Kulturzentren will keiner der islamischen Verbände in Deutschland eine App-Empfehlung abgeben.

Religiöse Überzeugung als Datenpunkt

Die Daten von Gebets-Apps für muslimische Menschen sind nachweislich schon bei den US-Sicherheitsbehörden gelandet. Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll denkt auch an verfolgte muslimische Minderheiten in autoritären Systemen. Ihr Glaube könnte aufgrund ihres Nutzungsverhaltens für die staatliche Seite erkennbar sein. Sie könnten so verfolgt werden.

"Womöglich sind die USA nicht das größte Problem in dieser Angelegenheit. Denken wir an autoritäre Regime. Sie können Informationen über religiöse Orientierung auch zur Unterdrückung nutzen."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Reporter