Wir leben noch immer in einem Patriarchat. Auch Männer, die das eigentlich nicht wollen, profitieren von diesem System, das Frauen benachteiligt, wenn auch nicht absichtlich. Aber sie können etwas gegen diese Strukturen tun.

Es hat sich zwar viel getan in den letzten Jahren, aber wir lebe noch immer in einer männerdominierten Gesellschaft. Und das bringt Vorteile für Männer mit sich, ob sie wollen oder nicht, erklärt Christoph May, der Workshops und Vorträge zu toxischer Männlichkeit hält.

"Männer profitieren von diesem System – da kann sich keiner rausnehmen."

Das System wird quasi automatisch am Laufen gehalten, indem Männer von den Strukturen bewusst oder unbewusst profitieren, von männlichen Karrierenetzwerken zum Beispiel. Männer starten ihr Leben im Grunde "direkt an der Ziellinie", sagt Christoph May.

Männer profitieren durch Männer-Netzwerke

Sie haben Vorteile durch "männerbündische Umgebungen", erklärt er und meint damit Räume innerhalb unseres gesellschaftlichen Systems, in denen Männer unter sich sind, in denen sie sich zum Beispiel gegenseitig in bessere Jobs helfen, aber auch decken, wenn einer Mist baut, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Stefan Krombach.

"Durch dieses Männer-bleiben-unter-sich entstehen Frauenfeindlichkeit, Sexismus und verschiedene Formen von Gewalt."
Stefan Krombach, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

In diesen Räumen gedeihen Frauenfeindlichkeit, Sexismus und Gewalt gegen Frauen, erklärt der Coach unserem Reporter Stefan Krombach. Und er geht noch weiter: Wo Männer unter sich bleiben, bilden sich "toxische Monokulturen und Verhaltensweisen", sagt Christoph.

"Toxische Monokulturen und Verhaltensweisen sind Gift für Geschlechtervielfalt, soziale Beziehungen, für eine ausdifferenzierte Gefühlssprache und für kulturellen Reichtum."
Christoph May, hält Workshops und Vorträge zu toxischer Männlichkeit

Und die wirken sich negativ aus auf Gender-Vielfalt und kulturelle Vielfalt, sowie auf zwischenmenschliche Beziehungen und die Art, wie wir über Gefühle reden, so sein Argument.

Viele Männer befürworten diese Strukturen gar nicht, wissen aber auch nicht, wo ansetzen. Was also tun? Ein Anfang wäre zu versuchen, solche Monokulturen aktiv aufzubrechen, sagt Stefan Krombach, "also ganz simpel: dafür sorgen, dass unser Umfeld nicht nur aus Männern besteht".

Männliche Monokulturen aufbrechen

Heißt: Männer können sich bewusst ein Umfeld suchen, in dem sie auch mit Frauen und queeren Personen zu tun haben, sie können gezielt Beziehungen mit weiblichen und queeren Freund*innen, Bekannten und Kolleg*innen pflegen.

Sie sollten auf Augenhöhe und ganz selbstverständlich mit vielen Menschen sprechen, ohne sie zu sexualisieren oder zu objektivieren, sagt Christoph, und: zuhören und ihre Lebenswelt und Erfahrungen verstehen.

"Sei dir bewusst, dass selbst wenn du nur mit deinen Männerfreunden zum Männerfußball gehst, du auf deiner persönliche Ebene im Grunde das am Laufen hältst, was du vielleicht im Großen ändern willst."
Christoph May, hält Workshops und Vorträge zu toxischer Männlichkeit

Wer mitbekommt, dass sexistische Witze gerissen werden oder dass sich jemand frauenfeindlich verhält, sollte das ansprechen, zum Thema machen und auch widersprechen, also mit diesen Männern reden.

"Wenn Männer keine Konsequenzen spüren, dann wird das auch weiter passieren."
Christoph May, hält Workshops und Vorträge zu toxischer Männlichkeit

Und mehr noch: Solches Verhalten sollte Folgen für die Betreffenden haben, sonst ändert sich nichts, ist Christop May überzeugt. Seines Erachtens muss solches Verhalten geächtet werden, vielleicht auch dazu führen, dass jemand – zumindest vorübergehend – nicht mehr an einer Gruppe beispielsweise teilnehmen darf.

Wichtig vor allem aber auch, so der Coach: "dich mit deinem eigenen Sexismus auseinandersetzen und deiner eigenen potenziellen Täterschaft." Und was man auch tun kann: den eigenen Medienkonsum checken, ergänzt Stefan: "Der ist oft auch total männlich geprägt".

Das alles ist nicht von heute auf morgen geschafft – aber möglich. Und irgendwo müssen wir eben anfangen, wenn wir etwas ändern wollen...

Shownotes
Gleichberechtigung ist kein Frauenthema
Was Männer gegen Sexismus tun können
vom 02. April 2026
Reporter: 
Stefan Krombach, Deutschlandfunk Nova
Gesprächspartner: 
Christoph May, hält Workshops und Vorträge zu toxischer Männlichkeit